Tagesgeld

Unter Tagesgeld versteht man eine kurzfristige Geldanlage mit einer eintägigen Rückzahlungsfrist. Bei einem Tagesgeldkonto ist die Verfügbarkeit jederzeit gegeben. Jedoch wird normalerweise das Guthaben auf ein Referenzkonto überwiesen, so dass man erst in einen bis drei Tage tatsächlich über das Geld frei verfügen kann. Meist werden die Zinsen am Ende des Jahres auf das Konto gebucht. Die Verzinsung ist variabel und kann sich zumindest theoretisch täglich ändern. Jedoch gibt es im Gegensatz zum Sparbuch keine Kündigungsfristen.

Die Verzinsung ist hauptsächlich aus zwei Gründen in der Regel jedoch höher als beim Sparbuch oder vergleichbaren Produkten. Die meisten Tagesgeldkonten werden nur online angeboten, somit werden Verwaltungskosten von den Banken gespart, die in Form eines höheren Zinssatzes weitergegeben werden können, genau wie bei Girokonten oder Festgeldkonten online. Der andere Grund besteht im zunehmend offensiven Marketing der Banken und in den verschärften Wettbewerbsbedingungen um Neukunden zu gewinnen. Der Zinssatz für Tagesgelder orientiert sich langfristig an einem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB), genannt der Einlagesatz, und liegt theoretisch unter diesem Leitzins. Ab dem 21. Januar 2009 belief sich der Einlagesatz auf 1%. Die große Spanne zwischen dem Einlagesatz und den tatsächlichen Tagesgeldzinssätzen schien diesen theoretischen Zusammenhang zu verneinen. Die Tagesgeldzinsen haben sich nun den niedrigen Leitzinsen der EZB angepasst. Nach zweimaligen Senkungen beträgt der Einlagesatz ab dem 08. April 2009 nur noch 0,25%.

Es lassen sich drei Leitzinsen der EZB, Hauptfinanzierungssatz, Spitzenrefinanzierungssatz und Einlagesatz, unterscheiden. Der Leitzins, dessen Senkung oder Erhöhung in den Nachrichten so oft erwähnt wird, ist der Hauptfinanzierungssatz. Zu diesem Zinssatz können sich Banken Geld von der EZB für höchstens eine Woche ausleihen. Der Spitzenrefinanzierungssatz ist ein Zinssatz für Gelder, die sich Banken sehr kurzfristig, also über Nacht, von der EZB, ausleihen können. Dieser Zinssatz bildet die Obergrenze für Zinssätze auf dem Interbankenmarkt (dort können sich Banken gegenseitig Geld leihen). Denn keine Bank wird einen Kredit von einer anderen Bank nehmen, dessen Zinssatz über dem Spitzenrefinanzierungssatz liegt, wenn sie dieses Geld billiger bei der EZB kriegen kann. Der Einlagesatz stellt die Zinshöhe für Gelder dar, die die Banken kurzfristig bei der EZB anlegen können (eine Art Tagesgeldkonto für Banken bei der Europäischen Zentralbank). Gleichzeitig bildet der Einlagesatz die Untergrenze für Tagesgelder im Interbankenmarkt, denn eine Bank hat keinen Anreiz einer anderen Bank für weniger, als den Einlagesatz der EZB, Gelder auszuleihen. Die Bank kann immer alternativ ihr Geld bei der EZB für den Einlagesatz "parken".


Jahr 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Zinsspanne 2,25-3,5 % 2,25-1,75 % 1,75-1 % 1,00 % 1-1,25 % 1,25-2,5 % 2,5-3 % 3,25-2,0 % 1,00-0,25 %


Quelle Tab.: Leitzins der EZB, der Einlagesatz

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