Finnland ist mit rund 5,3 Millionen Einwohner, trotz einer Fläche in der Größenordnung Deutschlands, ein kleines Land in der EU. Bekannt ist es durch ein gutes Nationaleishockeyteam, Elche, eine starke Holzindustrie und den Mobiltelefonhersteller Nokia geworden. Das Unternehmen Nokia ist für etwa 30% der finnischen Gesamtausfuhren verantwortlich, bringt dem finnischen Staat 1,3 Milliarden Steuereinnahmen jährlich und beschäftigt 16 000 Mitarbeiter in Finnland, ein Riese in einem kleinen Land. Gestern sickerte die Nachricht durch, dass das Unternehmen möglicherweise angedroht hat Finnland zu verlassen, falls das neue Überwachungsgesetz nicht vom Staat legalisiert wird. Mit diesem Gesetz hätte Nokia das Recht den E-Mail-Verkehr seiner Mitarbeiter zu überwachen. Dies tun sie bereits, das Gesetz hätte dem Unternehmen jedoch eine legale Plattform für ihr Tun gegeben. Es ist ja nicht so, dass uns in Deutschland diese Problematik nicht unbekannt wäre. Ein deutsches Bahnunternehmen und eine deutsche Telefongesellschaft haben sich in der Hinsicht in den letzten Monaten ausgezeichnet. Den Grund für das Verhalten von Nokia soll in der Verhinderung von Industriespionage liegen. Eine Nokia-Sprecherin hat dieses Gerücht dementiert und erklärt, dass das Unternehmen die Drohung einer Unternehmensverlagerung ins Ausland niemals, also zu keiner Zeit, erwogen hätte.
Im Jahr 2001 hat der Konzernchef von Nokia öffentlich im Fernsehen verkündet, dass der Konzern überlegt, wegen den hohen Steuern in Finnland, bis 2006 seinen Sitz ins Ausland zu verlagern. Nokia wurde in der Wirtschaftspresse bereits etliche Male wegen ihrer Flexibilität gelobt. Ein Schelm, der böses denkt. In Deutschland ist Nokia mit seiner Werkschließung in Bochum mit dem Argument von hohen Arbeitskosten negativ aufgefallen. Unnötig zu erwähnen, dass die Herstellung von Handys hochgradig automatisiert ist. Die Arbeitskosten der Mitarbeiter spielen ein geringe Rolle, wenn man an die Gesamtkosten denkt. Die Erfahrung von Unternehmen zeigt, dass eine Auslagerung der Produktionsstandorte in Länder mit geringeren Arbeitskosten nicht immer profitabel ist. Eine Ausbildung von ausländischen Arbeitern kann zu einem Phänomen genannt Jobhopping führen. Nachdem sie gut ausgebildet worden sind, verlassen sie das Unternehmen um ein besseres Gehalt zu kriegen oder gehen gleich in ein Land, in dem die Gehälter von vornherein um einiges höher sind. In China kann es passieren, dass die neuen Mitarbeiter nach der Ausbildung gleich kündigen um ein neues Unternehmen zu gründen. Dies ist vorteilhaft für einen intensiven Wettbewerb, aber schlecht für das eigene Geschäft. Somit entsteht die Problematik des permanenten Ausbildens. Neben dieser Schwierigkeit können noch andere, zusätzlich bei einer Verlagerung, entstehen. Unterschiede hinsichtlich der Produktivität lassen sich anhand der unterschiedlichen Mentalität zwischen den Bevölkerungen erklären. Man sollte dies nicht verallgemeinern, jedoch gibt es kulturelle Unterschiede, die berücksichtigt werden müssten. Diese könnten zu einer Erklärung der ökonomische Unterschiede zwischen den verschiedenen Nationen beitragen (ergänzend zum Ausbeutungsargument). Ansonsten wird es schwierig sein, zu erklären, wie z.B. ein ressourcenarmes Land wie Japan zu einer enormen Wirtschaftsmacht werden konnte. Der Einsatz von „expatriats“ (Führungskräfte, die im Ausland arbeiten), eine hohe Fluktuation der Mitarbeiter, zusätzliche Transportkosten, mangelndes Zulieferernetzwerk, schlechte Infrastruktur und ein Image-Schaden sind weitere Faktoren, die bei einer Unternehmensverlagerung berücksichtigt werden müssten. So einfach ist es nie, wie sich das manche Unternehmenslenker denken.
Quelle I: Nokia Bsp.1
Quelle II:Nokia Bsp.2
Quelle III:Nokia Bsp.3
Quelle IV:Nachteile von Firmenverlagerung
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