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Feb/09

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Die Psychologie der Massen Teil II

Die Unvernunft der Massen wird bei Le Bon am Beispiel der Besteuerung deutlich. Die Hinnahme der ungerechtesten Steuer wird praktikabel, indem sie am unauffälligsten und leichtesten in Erscheinung tritt. Die Akzeptanz einer indirekten Steuer (Mehrwertsteuer) wird von den Massen eher angenommen, als eine gerechte proportionale direkte Steuer (Einkommenssteuer). Die kleinen Beträge, die sich Tag für Tag monatlich aufsummieren, stören die Gewohnheiten der Massen weniger, als eine auf einmal zu entrichtende Steuer am Monatsende, auch wenn diese um einiges geringer ausfallen würde. Der zu entrichtende Betrag würde am Zahltag riesig erscheinen und als größerer Eingriff in die eigene Vermögenssphäre empfunden werden im Vergleich zu den täglichen Minibeiträgen, auch wenn diese in Summe höher wären.

Die Spekulation in Immobilien kann man einem Massenverhalten zuordnen, allerdings lassen sich bei jeder großen Spekulation die Gesetzesmäßigkeiten der Massen von Le Bon bestätigen. Die Verallgemeinerung der ewig steigenden Hauspreise ohne eine vernünftige, empirische Überprüfung dieser Aussage wird sogar während der Finanzkrise noch von vielen vertreten. Die Meinung der Masse lässt sich folgendermaßen in mehrere Aussagen unterteilen. Häuser sind teuer; Häuser werden immer gebraucht; es gibt immer mehr Menschen auf der Welt; diese werden Häuser brauchen; die Preise für Häuser müssen steigen. Dieses unkritische Urteil wurde der Masse durch Banken, Immobilienverkäufer und den Staat von Außen erleichtert. Dies führte letztendlich zu einem Wunschdenken von der Traumimmobilie, in der man nicht allein wohnen kann, sondern mit der man sogar reich wird. Die abrupte Veränderung des Massenverhaltens von freudiger Ekstase bis zur extremer Panik lässt sich auch vorzüglich an der Börse beobachten. Die beteiligten Medien üben noch eine verstärkende Rolle dieser Bewegung von „himmelhochjauchzend“ bis zu „zu Tode betrübt“.

Eine Massenbewegung ist auch bei den beteiligten Bankern festzustellen. Hierbei hat man sich vom kritischen Verstand verabschiedet und den freien Markt als festen Glaubenssatz ohne Zweifel in fast religiöser kollektiver Verzückung angenommen. Die Tiefe dieses Glaubenssatzes lässt sich anhand der Selbstmorde einiger der beteiligten Banker heute erahnen.

Letztendlich lässt sich ein unmerkliches Unbehagen der Massen in Amerika und Europa flüchtig erfassen. Jahrzehnte lang, nach dem zweiten Weltkrieg, hatte der amerikanische und deutsche Traum vom eigenen Haus, dem eigenen Automobil und der eigenen Familie mit Haustier bestand. Die Finanzkrise ist vielleicht der letzte Ausläufer dieses bürgerlichen Traumes, ein gescheiterter Versuch bei der Verwirklichung dieses Traumes der Masse.

Quelle: „Psychologie der Massen“ Gustav Le Bon

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