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Apr/10

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Verhaltensökonomie und die Wirtschaftskrise

In seinem wunderbaren Buch „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“ von Dan Ariely, einem Verhaltensökonomen, wird mit Hilfe von Experimenten, die These vom rationalen Menschen in die Mülltonne der wirtschaftswissenschaftlichen Geschichte verbannt. Die Grundlage der Verhaltensökonomie besteht in den Erkenntnissen, dass man nicht alle relevanten Informationen zur Verfügung hat, den Wert der verschiedenen Optionen nicht richtig einschätzen und deshalb keine optimale Entscheidung treffen kann, also genau das Gegenteil der Annahmen vom „homo oekonomicus“ der klassischen Wirtschaftswissenschaft. Interessanterweise setzt er sich ebenfalls mit der Finanzkrise auseinander und findet zwei überzeugende Gründe für ihr Entstehen.

Der erste Grund bezieht sich auf die Unfähigkeit der Kreditnehmer die richtige Darlehenssumme für ihren Hauskauf zu ermitteln. Die Antwort auf die Frage nach der optimalen Kreditsumme ist keineswegs trivial. In den Vereinigten Staaten gibt es die Daumen-Regel, dass man nicht mehr als 38 % des monatlichen Einkommens zur Tilgung des Darlehens verwenden sollte. Aufgrund dieser Zahlungsfähigkeit, zusammen mit der Zinsrate, lässt sich dann der Betrag bestimmen, den man sich maximal ausleihen kann. Dies beantwortet die Frage nach der maximal möglichen Kreditsumme, jedoch immer noch nicht die vorherige Frage nach der richtigen Kreditsumme. Es gibt natürlich auch Berater, Makler und Hypothekenrechner, die einem helfen können, und ebenfalls in die Tonne gehört hätten. Die wenigsten Berater werden sich in einer euphorischen Marktphase des Immobilienmarktes zurückhalten können. Somit kann es zu einer Übertragung der Lösung eines abweichenden Problems, wie viel Kredit kann ich maximal aufnehmen, auf das Problem der richtigen Kreditsumme für einen Hauskauf. Dieser Transfer kann zur Folge haben, dass die Menschen ein zu großes und zu teures Haus erwerben. Deshalb gab es auch früher in den USA strenge Vorschriften bei einem Hauskauf, wie maximaler Prozentsatz des Einkommens, Höhe der Anzahlung oder Einkommensnachweispflicht, die in den letzten Jahren jedoch aufgehoben wurden.

Der zweite Grund liegt auf der Seite der Banker und anderen Beteiligten in Form von Interessenkonflikten. Hierzu gibt Ariely ein nachdenkliches Beispiel. So ist es nicht vorstellbar, dass Richter beispielsweise bei einem Vergleich 5 Prozent der Vergleichssumme erhalten sollten. Warum nicht? Es gibt in dem Buch viel zu entdecken, z.B über die Illusion von Angebot und Nachfrage oder der hohe Preis für null Kosten (Gratisangebote). Auf einer leider nur englischsprachigen Seite kann man unter Demonstrations Apps&Tools in die Kapitel kurz rein schauen oder selbst ein paar Tests absolvieren. Besonders wertvoll sind auch die wissenschaftlichen Artikel unter dem Stichwort Research.

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