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Verhaltensökonomie und die Wirtschaftskrise
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In seinem wunderbaren Buch „Denken hilft zwar, nützt aber nichts“ von Dan Ariely, einem Verhaltensökonomen, wird mit Hilfe von Experimenten, die These vom rationalen Menschen in die Mülltonne der literarischen Geschichte verbannt. Die Grundlage der Verhaltensökonomie besteht in den Erkenntnissen, dass man nicht alle relevanten Informationen zur Verfügung hat, den Wert der verschiedenen Optionen nicht richtig einschätzen und deshalb keine optimale Entscheidung treffen kann, also genau das Gegenteil der Annahmen vom „homo oekonomicus“ der klassischen Wirtschaftswissenschaft. Interessanterweise setzt er sich ebenfalls mit der Finanzkrise auseinander und findet zwei überzeugende Gründe für ihr Entstehen.
Der erste Grund bezieht sich auf die Unfähigkeit der Kreditnehmer die richtige Darlehenssumme für ihren Hauskauf zu ermitteln. Die Antwort auf die Frage nach der optimalen Kreditsumme ist keineswegs trivial. In den Vereinigten Staaten findet man die Daumen-Regel, dass man nicht mehr als 38 % des monatlichen Einkommens zur Tilgung des Darlehens verwenden sollte. Dies zusammen mit der Zinsrate bestimmt dann den Betrag, den man sich maximal ausleihen kann. Dies beantwortet die Frage nach der maximal möglichen Kreditsumme, jedoch immer noch nicht die vorherige Frage. Es gibt natürlich auch Berater, Makler und Hypothekenrechner, die man jedoch ebenfalls in die Tonne hätte befördern sollen. Die wenigsten Berater werden sich in einer euphorischen Marktphase des Immobilienmarktes zurückhalten können. Somit kann es zu einer Übertragung der Lösung eines abweichenden Problems, wie viel Kredit kann ich maximal aufnehmen, auf das Problem der richtigen Kreditsumme für einen Hauskauf. Dies kann zur Folge haben, dass die Menschen ein zu großes und zu teures Haus erwerben. Deshalb gab es auch früher in den USA strenge Vorschriften bei einem Hauskauf, wie maximaler Prozentsatz des Einkommens, Höhe der Anzahlung oder Einkommensnachweispflicht, die in den letzten Jahren jedoch aufgehoben wurden.
Der zweite Grund auf der Seite der Banker und anderen Beteiligten sind Interessenkonflikte. Hierzu gibt Ariely ein treffendes Beispiel. Es ist z.B. nicht vorstellbar, dass Richter bei einem Vergleich 5 Prozent der Vergleichssumme erhalten sollten. Es gibt also in dem Buch viel zu entdecken, z.B über die Illusion von Angebot und Nachfrage oder der hohe Preis für null Kosten (Gratisangebote). Auf einer leider nur englischsprachigen Seite kann man unter Demonstrations in die Kapitel kurz rein schauen oder selbst ein paar Tests absolvieren. Besonders wertvoll sind auch die wissenschaftlichen Artikel unter dem Stichwort Research.
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