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Die ökonomische Erholung von der Großen Depression, Gründe und Ursachen Teil III

Donnerstag, 30. April 2009

Anfang der 30er Jahre wurden die großen Banken bei der Einhaltung des Goldstandards unterstützt und die Märkte gestützt. Die Banken nahmen die Kreditvergabe jedoch trotzdem nicht auf. Die erste Lektion der Großen Depression nach Galbraith ist es, dass es nicht ausreicht, Banken mit Geld voll zu stopfen um die Kreditvergabe anzukurbeln. Der „New Deal“ umging die Banken, indem Kredite vom Staat selbst vergeben wurden oder indem Banken direkt von einer staatlichen Institution, der „Reconstruction Finance Corporation“ gelenkt wurden.

2. Die Einrichtung von sozialen Sicherungssystemen durch den „New Deal“ war gegen die Unsicherheit bzw. die Angst vor Verarmung und den gesellschaftlichen Abstieg, ausgelöst durch die Große Depression, gerichtet. Die fundamentale Schwierigkeit des Kapitalismus liegt nach Galbraith in der Instabilität dieses Wirtschaftssystems. Die privaten Märkte sind nicht in der Lage bestimmte Problemfelder, wie ein Mindestlebensstandard der arbeitenden Bevölkerung, Absicherung der Spareinlagen oder ein zum Auskommen würdiges Einkommen im Rentenalter zu sichern.

3. Der Staat griff in die Wirtschaft ein, indem er mit Hilfe diverser Agenturen Arbeitsplätze schaffte. Nach einer Schätzung von Auerback sollen so 3,5 Millionen Arbeitsplätze zusammen gekommen sein. In der wissenschaftlichen Debatte gibt es Uneinigkeit, ob diese staatlich geschaffenen Arbeitsstellen reale Arbeitsplätze sind oder nicht, frei nach dem Motto, nur Arbeitsplätze in der privaten Wirtschaft sind echte Arbeitsplätze. Dies spricht nicht unbedingt für die Wissenschaft. Jedenfalls konnte so die Arbeitslosigkeit zwischen 1933 und 1936 von 25% auf 9% reduziert werden. Die Industrieproduktion der USA zwischen 1932 und 1936 verdoppelte sich. Dies scheint die Multiplikator-Theorie der Beschäftigung von Kahn zu bestätigen, dass eine Erhöhung der Staatsausgaben nicht nur direkte öffentliche Arbeitsplätze schafft, sondern indirekt dadurch auch Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft entstehen. Der Fiskalpolitik misst Galbraith keine Bedeutung für die Erholung der Wirtschaft zu. Süffisant bemerkt er, dass ein neues goldenes Zeitalter der Kreditvergabe von Privatbanken bei Leitzinsen von Null Prozent von keinem damaligen Zeitgenossen bemerkt wurde.

4. Die letzte Lektion liegt für Galbraith in einer physischen, moralischen und künstlerischen Erneuerung der Nation. Unter der Roosevelt Administration wurden die USA modernisiert. Konkret bedeutete dies den Bau oder Renovierung von 2500 Krankenhäusern, 45000 Schulen, 13000 Parkanlagen und Spielplätzen, 7800 Brücken und 700 000 Meilen von Straßen.

Interessant ist es auch, fest zu stellen, dass sich die kommerzielle Kreditvergabe der Banken erst während des zweiten Weltkrieges erholt hat. Durch die gesunkenen Vermögenswerte qualifizierten sich nur wenige für private Kredite und durch die Flucht ins Barvermögen wurde sichergestellt, dass sowieso wenige Kredite vergeben werden konnten. Der Zweite Weltkrieg führte wieder zu einer Anhäufung von finanziellem Privatvermögen, wodurch diese Klientel für Banken wieder attraktiv wurde.

Die ökonomische Erholung von der Großen Depression, Gründe und Ursachen Teil II

Samstag, 18. April 2009

Nach Galbraith, bei einer Anhörung vor dem US-Senat, lassen sich drei Grundsätze aus den Erfahrungen der Großen Depression, den „New Deal“ und dem zweiten Weltkrieg ziehen. Die freie Marktwirtschaft ohne Regelungsmechanismen führt nicht notwendigerweise zu einer Selbstkorrektur, d.h. Massenarbeitslosigkeit kann in einer Marktwirtschaft entstehen und hartnäckig bestehen bleiben. Direkte wirtschaftliche Intervention funktioniert am besten, wenn sie der breiten Masse zugute kommt und nicht durch das sogenannte Durchsickern von Oben. Das Durchsickern von Oben ist eine beliebte Theorie in den Wirtschaftswissenschaften. Diese Theorie besagt, dass bei steigenden Vermögenszuwächsen von dem wohlhabenden Teil der Bevölkerung etwas davon nach unten, zu den ärmeren Gesellschaftsschichten, durchsickert und letztendlich alle Gesellschaftsmitglieder davon profitieren. Die letzte Lektion besteht darin, dass zu frühe fiskalische Kürzungen verheerende Folgen haben können. Der einmal eingeschlagen Weg einer Wachstumspolitik sollte bis zum Ende durchgehalten werden.

1. Die Roosevelt Administration sah den Ursprung der Wirtschaftskrise in dem Börsenabsturz 1929 und dem Kollaps des Bankensystems. Der Kern des Problems bestand für sie in einer Kultur der Korruption, der Spekulation und der Selbstbereicherung von der „Wall Street“. Dies führte zu einem Vertrauensverlust der Öffentlichkeit in die Industrie- und Finanzkapitäne. Unter der „Wall Street“ wird die große Unternehmenswelt verstanden, dazu werden hauptsächlich private Konzerne aus allen Wirtschaftssektoren, aber auch große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Rechtskanzleien und Unternehmensberater gezählt. Mittlere und kleine Unternehmen, sowie Arbeiter und Angestellte werden im Gegensatz dazu in der sogenannten „Main Street“ zusammengefasst. Der erste Eingriff der damaligen Administration, die sogenannten „Bank Holidays“, bestand in der Überprüfung und der Wiedereröffnung von aus ihrer Sicht rettungswürdigen Banken. So konnte man die Spreu von den Weizen trennen. Des weiteren wurden die SEC, die Börsenaufsichtsbehörde, und die FDIC, der Einlagensicherungsfonds, errichtet und der Goldstandard aufgehoben. Die amerikanische Börsenaufsichtsbehörde gehörte bis vor wenige Jahre zu dem strengsten Aufsichtsorgan der Welt. Ihre Kompetenzen würden in den zurückliegenden Jahren jedoch immer weiter beschnitten um die USA als Finanzmarkt wettbewerbsfähig zu erhalten. Die FDIC entstand direkt aus den Erfahrungen der massiven Bankenpleiten. Die Einrichtung dieses Institutes konnte bei der aktuellen Krise erfolgreich das sogenannte „Bank Run“ verhindern. Ein „Bank Run“ stellt die Situation dar, wenn die Einlagen von den Bankkunden abgezogen werden, falls berechtigterweise oder auch nicht, die Bank als nicht mehr sicher angesehen wird. Dies führt dann in jedem Fall zu einer Insolvenz dieser Bank. Auch der „Glass-Steagall Act“ geht auf die Roosevelt Administration zurück. Hierbei wurde der Bankensektor in Investmentbanken und kommerzielle Banken getrennt, um die riskanten Geschäfte der Investmentbanken von den „normalen“ Geschäften, wie Kontoführung und Kreditvergabe an Verbraucher, zu separieren. Dies ist aktuell wieder in den USA rückgängig gemacht worden. Investmentbanken können nun in Amerika als Universalbanken tätig werden.