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Neue Finanzblase ?

Sonntag, 22. März 2009

Die letzte Woche von der amerikanischen Notenbank angekündigten Käufe der langjährigen Staatsanleihen und der hypothekengesicherten Anleihen im Wert von über einer Billion US-Dollar können langfristig für die amerikanische Finanzwirtschaft nicht folgenlos bleiben. Eine mögliche Folge wäre die Entstehung einer neuen Finanzblase, analog zu dem Entstehen der Immobilienkreditblase nach dem Platzen der Dot-Com-Blase. Das Video verdeutlicht die mögliche Konsequenz dieser Politik.

Silber und Super Bowl

Sonntag, 01. Februar 2009

Heute ist der Super Bowl Sunday, das Finale der amerikanischen Football-Liga NFL („National Football League“). Den Begriff Super Bowl hat Lamar Hunt, der Besitzer der Kansas City Chiefs, erfunden. Lamar wurde, als einer der wenigen Besitzer von Football-Clubs in die Ruhmeshalle („Hall of Fame“) des amerikanischen Footballs aufgenommen. Seit 1969 wird dieser Begriff offiziell für das Endspiel der NFL verwendet. Das Team ist bis heute in Besitz der Familie Hunt. Dies ist ein willkommener Anlass sich mit der Hunt-Familie zu beschäftigen, insbesondere mit den beiden Brüdern von Lamar Hunt, William und Nelson Hunt.

Das große Vermögen der Familie Hunt wurde Anfang des 20ten Jahrhunderts mit Erdöl-Geschäften gemacht. Ende der siebziger Jahre wurde es auf eine Summe zwischen 6 und 8 Milliarden Dollar geschätzt. William und Nelson Hunt beschlossen ab 1970 (zu der Zeit war der Goldbesitz für private Personen in den USA verboten) eine Monopolstellung auf dem Edelmetallmarkt Silber zu kriegen. Über eine Periode von zehn Jahren kauften sie eine gigantische Menge von 5000 Tonnen Silber (15% der weltweiten Vorräte) ein und lagerten es bei europäischen Banken. Der Silberpreis fing 1979 steil in die Höhe zu steigen, von 8 Dollar auf 34,45 Dollar Ende 1979. Sogar der jüngere Bruder, Lamar, stieg mit 300 Millionen in den Silbermarkt ein. Dann schritten die Behörden ein und veränderten die Regeln um die Spekulation zu stoppen. Die COMEX (New York Commodities Exchange, eine Warenterminbörse) erlaubte am 7. Januar nur noch Kaufkontrakte mit einer Höchstgrenze von 10 Millionen Dollar pro Person, alle Kontrakte darüber hinaus sollten bis zum 18ten Januar aufgelöst werden. Anfang 1980 erreichte der Silberpreis einen Spitzenwert von 52,5 Dollar pro Unze. Zu dem Zeitpunkt hätten die beiden Brüder einen Gewinn von 3,5 Milliarden Dollar sicher. Am 21. Januar verkündete die COMEX, dass nur Verkaufskontrakte von Silber akzeptiert werden, damit wurde ein weiterer Anstieg des Silberpreises unmöglich gemacht. Es konnte mit dem Preis nur nach unten gehen. Der Preis von Silber fiel auf 21 Dollar am 14. März. Die Hunt Brüder waren gezwungen ihre Positionen glatt zuziehen, um ihre Gläubiger zu bedienen, siegessicher haben sie Kredite für einen Teil der Käufe aufgenommen. Der Preis fiel und sie mussten zu jedem Preis verkaufen. Am 25. März hatten die beiden Brüder kein Geld mehr und mussten physisches Silber verkaufen. Am 27. März pendelte sich der Silberpreis bei 10,80 Dollar. Am Ende hatten die Brüder einen Schuldenstand von 1,5 Milliarden Dollar. Hätten die Brüder nicht am Warenterminmarkt mitgespielt, hätten sie mit ihren physischen Silberreserven sogar einen kleinen Gewinn erzielt. 1988 sind beide schließlich in die private Insolvenz gegangen.

Aus der Geschichte lassen sich zwei Schlussfolgerungen ableiten. Zuerst mag das Motiv der beiden Brüder gewesen sein, ihr Vermögen mittels Silber gegen eine Inflation abzusichern, bei ihrem Einstieg in die Warenterminbörse jedoch wurden sie gierig und verloren letztendlich. Zweitens hatten sie mächtige Gegenspieler, wahrscheinlich mehrere große Banken. Es ist möglich, dass diese ihren Einfluss auf die Regierung ausgeübt haben um die Spielregeln auf der Warenterminbörse zu ändern. Bei hohen Gegenpositionen der Banken war vielleicht sogar ein systematisches Risiko für diese Banken entstanden, das zu deren Pleiten und einen negativen Effekt auf die Wirtschaft der USA führen würde. Wer weiß das schon…

Quelle: Silberspekulation der Hunts

Messung der Inflation Teil I

Freitag, 16. Januar 2009

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat als oberstes Ziel, der deutschen Bundesbank folgend, die Preisstabilität zu gewährleisten. Es handelt sich nicht um die Preisstabilität einzelner Preise, dies wäre bei Millionen von Produkten unmöglich, sondern um die Stabilisierung des Durchschnitts aller Preise. Wenn das allgemeine Preisniveau ansteigt, dann sinkt die Kaufkraft bzw. der Wert des Geldes. Das anvisierte Ziel der EZB ist es, die Inflation gerade so unter 2% zu halten. Um diese Zielerreichung kontrollieren zu können, müssen die Veränderungen des Preisniveaus gemessen werden können. Die Messung der Preisentwicklung geschieht anhand ausgewählter Güter und Dienstleistungen, die in einem repräsentativen Warenkorb gewichtet werden. Daraus kann man einen sogenannten Preisindex errechnen. Ein Warenkorb für eine Hausfrau unterscheidet sich natürlich von dem Warenkorb eines Einzelhändlers. Dem wird Rechnung getragen, indem verschiedene Warenkörbe zusammengestellt werden, um daraus dann den jeweiligen Preisindex zu berechnen. Der bekannteste Preisindex ist der für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte. Dieser soll die typischen Ausgaben eines privaten Haushaltes abbilden. Die bei der Zusammenstellung eines Warenkorbes verbundenen Schwierigkeiten sind vielfältig. Die Erfassung von Qualitätssteigerungen bei einzelnen Waren ist schwierig. Computer sind dafür ein gutes Beispiel, obwohl der Preis für einen neuen Computer relativ stabil geblieben sind, ist die Leistung der Rechner immens gestiegen. Die Repräsentation eines festes Warenkorbes nimmt mit der Zeit ab, wenn die Verbraucher z.B. statt teure Produkte, billige Ersatzprodukte im Laufe der Zeit bevorzugen. Man kann Butter z.B. mit Margarine ersetzen.

Beispiel Warenkorb für die Lebenshaltung privater Haushalte 1995:

- Produkte
- Gewichtung im Warenkorb

Ernährung, Getränke, Tabakwaren
17,3 %

Bekleidung, Schuhe
6,9 %

Wohnung, Wasser, Energie
27,5 %

Hausrat, Instandhaltung
7,1 %

Gesundheitspflege
3,4 %

Verkehr
13,9 %

Freizeit, Kultur, Bildung
11 %

Hotels, Cafes, Restaurants
4,6 %

Verschiedenes
8,3 %

Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) soll die Preisentwicklung der Mitgliedsstaaten in der EU abbilden (sogar die von Norwegen, Island und die Schweiz). Die nationalen statistischen Ämter gehen bei dessen Ermittlung einheitlich vor. Nach dem Erreichen eines Höchststandes im Juni und Juli 2008 bei 3,3 %, sank der Verbraucherpreisindex in Deutschland bis Dezember auf 1,1 %. Dies stellt ein deutliches Anzeichen für eine deflationäre Entwicklung (d.h. sinkendes allgemeines Preisniveau, Gegenteil von Inflation) in Deutschland dar.

Quelle I: „Geld & Geldpolitik“ Heft für die Schule; erst einfach, dann immer komplexer…
Quelle II: Verbraucherpreise 2008

Was ist Inflation?

Montag, 15. Dezember 2008

Einem Lexikon nach entsteht eine Inflation bei einem Missverhältnis zwischen der volkswirtschaftlich vorhanden Geldmenge und dem Angebot an Waren und Dienstleistungen. Der Wert von Geld wird anhand seiner potenziellen Kaufmöglichkeit festgestellt. Wenn man sich gestern 10 Eier für 10 Euro kaufen konnte, jedoch heute 20 Euro für dieselben 10 Eier zahlen muss, hat sich der Wert des Geldes, des Euro, halbiert. Eine Geldentwertung entspricht einer Inflation, denn dadurch sind alle Waren und Dienstleistungen teurer geworden. Geldentwertung und ein allgemeiner Preisanstieg sind zwei Teile der gleichen Medaille. Anschaulich für den abstrakten Begriff der Inflation ist z.B. die Veränderung des Preises von einem Haus. Gibt es viele mögliche Käufer des Hauses, überbieten sie sich gegenseitig und treiben den Preis des Hauses in die Höhe. Umgekehrt gibt es weniger Käufer als in der vorherigen Situation, dann sinkt der Preis des Hauses. Der Preis hängt nicht nur von der Nachfrage-Seite, also den Käufern ab, sondern auch von der Angebotsseite, also der Menge der Häuser. Sind viele identische Häuser vorhanden, sinkt der Preis des einzelnen Hauses, falls sich die Anzahl der Käufer nicht erhöht hat, gibt es aber nur ein Haus bzw. wenige Häuser, steigt der Preis dieses Hauses. Die Voraussetzung für diese Situation ist natürlich das Vorhandensein eines Marktes, d.h. es gibt überhaupt Käufer und Verkäufer.

Die Inflation kann aus drei Gründen entstehen. Man spricht somit von der Angebots-Inflation, der Nachfrage-Inflation und der importierten Inflation. Die Angebotsinflation besteht in der Preissteigerung von Waren und Dienstleistungen durch z.B. einen Preisdruck auf der Angebotsseite. Die Logik, die dahinter steckt, kann man in mehrere Schritte unterteilen. Beispielhaft würde der erste Schritt in einer Verknappung des Rohstoffes Erdöl bestehen, die nicht durch eine höhere Nachfrage verursacht wurde, z.B. wegen einer künstlichen Drosselung der Erdölförderquoten der Opec-Staaten. Dies treibt dann den Preis für Erdöl in die Höhe, somit hat die Industrie höhere Einkaufskosten und legt sie auf die Waren um, ergo werden die Erzeugnisse teurer. Bei einer durch hohe Nachfrage verursachten Preissteigerung von Erdöl würde man in dem Fall von einer Nachfrage-Inflation ausgehen. Die Art der Inflation, ob an Angebot oder Nachfrage orientiert, wurde in dem Beispiel also entweder von der erhöhten Nachfrage nach Erdöl oder der geringeren Förderquote von Erdöl abhängen. Die dritte Möglichkeit einer Inflation ist die importierte Inflation über eine Währung, diese spielt jedoch bei flexiblen Wechselkursen eine geringfügige Rolle. Die einfachste Art eine Inflation zu erzeugen, wie die Geschichte jedoch immer wieder zeigt, wäre das übertriebene Drucken von Geldscheinen, d.h. eine Erhöhung der Geldmenge. Das Monopol über das Drucken von Geld lag früher in den Händen von Königen und Fürsten, heute liegt es in den Händen von Regierungen oder Notenbanken.

Andre Kostolany, ein bekannter Spekulant, hatte ein ganz einfaches Beispiel für die Inflation. Früher bat ein Bettler um 10 Cent, später um 50 Cent und heute ist daraus ein Dollar geworden. Für Sparer ist die Inflation ein reines Gift, den sie vermindert seine Rendite. Es nutzt einem wenig, wenn man eine sichere Geldanlage mit einem Zinssatz von 3% hat, wenn die Inflation auch 3% beträgt. Bei einem effektiven Zins von 3% und einer Inflation von 3% würde der reale Zinssatz genau Null betragen. Eine niedrige Zinsrendite wird also durch eine hohe Inflation vernichtet. Allerdings sollte man die Berechnung der Inflation genau unter die Lupe nehmen, denn bei diesen Statistiken ist ein immens großer Spielraum gegeben.