Wer war Nikolaj Dimitriewich Kondratjev?
Samstag, 17. Januar 2009Geboren 1892 in Russland hat Kondratjev (oft auch Kondratieff oder Kontratjew geschrieben) Jura an der Universität von St. Petersburg abgeschlossen. Kurz danach wurde er dort Professor am Institut für politische Ökonomie. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde Kondratjev aufgefordert, ein Konjunkturinstitut in Moskau zu errichten. Dort blieb er bis 1928 Direktor des Instituts. Im Jahr 1922 erschien seine Arbeit „Weltwirtschaft und Konjunktur während und nach dem Krieg“. Mit dieser und den nachfolgenden Arbeiten wurde er in der Wirtschaftswissenschaft im Westen berühmt. Ab 1926 hielt Kondratjev Vorlesungen zu dem Thema der ökonomischen Wirkungen der langen Konjunkturzyklen. 1930 wurde er jedoch aus ideologischen Gründen verhaftet und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Im Jahr 1938 wurde Kondratjev dann zu Tode verurteilt und erschossen.
Kondratjev hat empirisch, anhand von wirtschaftlichen Faktoren (Preisindizes, Lohnsätze, Staatsanleihen, Gewinnung von Kohle und Blei etc.), bis in die 1920er Jahre zweieinhalb Wirtschaftszyklen festgestellt. Diese umfassten drei Aufschwungphasen (1789-1814, 1849-1873 und 1896-1920) und zwei Abschwungphasen (1814-1849 und 1873-1896). Die Aufschwungphasen werden von bahnbrechenden technologischen Erfindungen verursacht, die eine grundlegende Veränderung der gesamten Gesellschaft bewirken, sogenannte Basisinnovationen. Um das Jahr 1789 war die Entwicklung der Textilindustrie und der Gusseisenherstellung der Grund für den Aufschwung . Der Eisenbau war für die Entwicklung seit 1849 verantwortlich und 1896 die Erfindung und Nutzung der Elektrizität, des Radios und des Telefons. Diese Entwicklung der Konjunktur ist nach Kondratjev ein endogenes Phänomen, d.h. selbst von dem System hervorgebracht, nicht von Außen bewirkt. Jede Konjunkturphase ist für ihn ein kumulatives (angehäuftes) Ergebnis der vorhergehenden Phase, wobei die technologischen Innovationen sich aus gestiegene Produktionsansprüchen ergeben, also keine Zufallsprodukte sind.
Leo Nefiodow hat die Theorie von Kondratjev auf einen aktuellen Stand gebracht und drei Aufschwungphasen nach 1920 identifiziert. Diese wurden von der Petrochemie und dem Automobil ab 1930er Jahren, der Informationstechnik ab den 1950er Jahren und werden von der Biotechnologie und psychosozialer (ganzheitliche) Gesundheit ab 2000 getragen. Insbesondere bei dem letzten Konjunkturzyklus ist es jedoch erst in mehreren Jahren möglich, bestimmte Innovationen als Verursacher eines wirtschaftlichen Aufschwungs, zu erkennen. Deutlich sind aber die Bemühungen in der Umwelttechnologie, die zu einer effizienten Nutzung von Ressourcen beitragen. Der Nutzen von Biotechnologie in der Landwirtschaft und im Gesundheitswesen wird im Laufe der Zeit überprüft werden müssen. Auch die Nanotechnologie steckt noch in den Kinderschuhen. Von einer dadurch verursachten revolutionären gesellschaftlichen Veränderung kann bisher noch keine Rede sein. Man kann Solartechnologie und Nanotechnologie als Basisinnovationen gegenüber stellen, um ein mögliches Szenario für die Zukunft zu entwickeln. Die beiden Technologien könnten sich gegenseitig die Ressourcen streitig machen, anderseits könnten sie sich auch gegenseitig ergänzen. Diese Fragestellungen sind jedoch für eine aktive Wirtschaftspolitik, die im Angesicht einer Finanz- und Wirtschaftskrise immer einen Aufschwung verzeichnet, von höchster Priorität. Immerhin ist die Problematik von Arbeitsplätzen mit einer Antwort darauf unmittelbar verbunden.
Quelle : Kondratjev