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Kosten für die Rettung des Finanzmarktes in den USA II

Donnerstag, 05. Februar 2009

Der Vergleich der historischen Kosten von Regierungsprogrammen mit den heutigen macht zwar die abstrakten Zahlen fassbar, sagt jedoch insgesamt nicht viel aus. Die Kosten aus diesen Zeiten sollten in Relation mit dem Bruttoinlandsprodukt dieser Zeit gesetzt werden. Erst dann lässt sich eine Vergleichbarkeit erzielen. Das BIP ist ein Maßstab für die wirtschaftliche Leistung eines Landes, gezählt für ein Jahr. Bei einer Feststellung des prozentualen Anteils dieser Regierungsprogramme an der gesamtwirtschaftlichen Leistung dieses Landes lässt sich dann eine konkrete Aussage ableiten.

Die Zahlen für das amerikanische BIP seit 1790 und die Werte des US-Dollars für heute lassen sich hier finden. Alle BIP-Werte sind gemessen am Wert des US-Dollars im Jahr 2000. Dem Autor ist bei der Berechnung des Wertes vom Kauf des Bundesstaates Louisiana für heute wahrscheinlich ein Tippfehler unterlaufen. Ein Dollar aus dem Jahr 1803 hätte heute etwa einen Wert von 18 Dollar, deshalb beträgt der Wert von 15 Millionen US-Dollar heute 275 Millionen Dollar, nicht 217 Milliarden. Aber schauen wir uns die Zahlen ins Verhältnis gebracht zu dem BIP aus diesen Zeiten nochmal an.

Regierungsprogramm - Jahr - BIP real – Kosten – Anteil am BIP in Prozent

Erwerb von Louisiana - 1803 - 7,21 Mrd. - 275 Mill. - 3%
New Deal (ERP) - 1933 - 531,1 Mrd. - 500 Mrd. - 94%
Marshall-Plan - 1948 - 1,643 Bill. - 115,3 Mrd. - 7%
Korea-Krieg - 1950 - 1,777 Bill. - 454 Mrd. - 25%
Apollo-Programm - 1969 - 3,765 Bill. - 237 Mrd. - 6%
Vietnamkrieg - 1975 - 4,311 Bill. - 698 Mrd. - 16%
Sparkassenkrise - 1986 - 6,263 Bill. - 256 Mrd. - 4%
Irakkrieg - 2003 - 10,301 Bill. - 597 Mrd. - 5%
NASA Kosten - 1978 – 5,015 Bill. - 851,2 Mrd. - 16%

Finanzkrise - 2008 – 14 Bill. - 4,6 Bill. - 32%

Diese Zahlen müssen noch stärker relativiert werden. Alle Regierungsprogramme, außer den Kauf von Louisiana, erstreckten sich über mehrere Jahre. Die Kosten für den sogenannten New Deal sollten also auf 8 Jahre verteilt werden, die für den Koreakrieg auf drei Jahre, die für den Marshall-Plan auf vier Jahre etc. Dies führt zu einer weiteren Verfeinerung der Berechnung.

Erwerb von Louisiana - 1803 - 7,21 Mrd. - 275 Mill. - 3%
New Deal (ERP) - 1933 - 531,1 Mrd. - 62,5 Mrd. - 11%
Marshall-Plan - 1948 - 1,643 Bill. - 28,82 Mrd. - 1%
Korea-Krieg - 1950 - 1,777 Bill. - 151,33 Mrd. - 8%
Apollo-Programm - 1969 - 3,765 Bill. - 26,33 Mrd. - <1%
Vietnamkrieg - 1975 - 4,311 Bill. - 69,8 Mrd. - 1%
Sparkassenkrise - 1986 - 6,263 Bill. - 32 Mrd. - <1%
Irakkrieg - 2003 - 10,301 Bill. - 99,5 Mrd. - <1%
NASA Kosten - 1978 - 5,015 Bill. - 21,28 Mrd. - <1%

Finanzkrise - 2008 - 14 Bill. - 2,3 Bill. - 16%

Dass die Berechnung sehr grob ist, wird deutlich. Die Einbeziehung der tatsächlichen Kosten für die aktuelle Finanzkrise wird erst in einigen Jahren möglich sein. Es wird davon ausgegangen, dass sie niedriger sein werden als momentan angesetzt. Eine historische Vergleichbarkeit in diesem Umfang ist einzig mit den Kosten für den New Deal (die Ausgaben für die Bekämpfung der großen Depression) gegeben. Wenn man schon mit Zahlen hantiert, sollte man noch eine Zahl berücksichtigen. Auf der Welternährungs-Konferenz in Rom wurden 12,3 Milliarden Dollar für die Bekämpfung des weltweiten Hungers von den Industrieländern versprochen, wovon eine Milliarde bezahlt wurde. Es wird geschätzt, dass 40 bis 45 Milliarden Dollar jährlich nötig sind um die Hungerkrise weltweit in den Griff zu kriegen. Das ist die wahrlich traurige Bilanz bei dem ganzen Schlamassel.

Kosten für die Rettung des Finanzmarktes in den USA I

Mittwoch, 04. Februar 2009

Bei der Recherche für sein Buch „Bailout Nation“ wollte der Autor Barry Ritholtz die astronomische Summe von 4,6165 Billionen Dollar (Stand Dezember 2008) für die Rettung des Finanzsystems in Verhältnis zu früheren historischen Ausgaben der amerikanischen Regierung setzen. Es ist erwähnenswert, dass das Geld noch nicht gänzlich verloren ist, ein Teil davon könnte die amerikanische Regierung möglicherweise zurückbekommen. Zudem hat er den Versuch unternommen, die Zahlen inflationsbereinigt wiederzugeben.

- der Marshall-Plan, Kosten damals 12,7 Milliarden US-$, wären heute 115,3   Milliarden US-$
- Kauf von Louisiana, Kosten damals 15 Millionen US-$, heute 217 Milliarden   US-$
- der Wettlauf zum Mond, Kosten damals 36,4 Milliarden US-$, heute 237   Milliarden US-$
- Rettung der Sparkassen, Kosten damals 153 Milliarden US-$, heute 256   Milliarden US-$
- der Korea-Krieg, Kosten damals 54 Milliarden US-$, heute 454 Milliarden US-$
- New Deal (1930er Jahre), Kosten damals 32 Milliarden US-$, heute 500   Milliarden US-$
- der Irak-Krieg, Kosten damals 551 US-$ Mrd., wären heute 597 US-$ Mrd. (und der   Krieg ist nicht vorbei)
- der Vietnam-Krieg, Kosten damals 111 Milliarden US-$, heute 698 Milliarden   US-Dollar
- Kosten für die NASA damals 416,7 US-$, wären heute 851,2 Milliarden US-$

Zusammengerechnet ergibt das eine Summe von 3,92 Billionen Dollar, also immer noch weniger als die bis Dezember 2008 ausgegebenen Gelder für die Rettung des Finanzsystems allein in den USA. Es spielt keine Rolle, ob diese in der Aufzählung auf eine Milliarde mehr oder weniger korrekt geschätzt wurden. Die historische Dimension der Ausgaben der US-Regierung in den letzten Monaten ist gigantisch, hinzu mussten noch die Ausgaben der anderen Länder weltweit berücksichtigt werden. Aktuell scheint ein neues Konjunkturpaket der amerikanischen Regierung in Höhe von etwa 800 Milliarden USD genehmigt zu werden.