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Die Ursachen der Finanzkrise: Wirtschaftsliberalismus oder Sozialismus, d.h. vereinfacht Laissez-Faire Ökonomie oder zu viele Staatseingriffe ? Teil II

Sonntag, 07. Dezember 2008

Vielleicht noch deutlicher geben Harald Schumann und Klaus Engelen der Laissez-Faire Politik die Schuld an der Entstehung der Finanzkrise. Die Anhäufung von Risiken der Fonds und Banken war mangels Aufsicht völlig undurchsichtig geworden. Im Jahr 1998 setzte sich die Leiterin der CFTC (Commodity Futures Trading Commission) Brooksley E. Born in der Arbeitsgruppe Finanzmärkte der Clinton-Administration für eine Regulierung von Kreditderivaten ein. Die CFTC ist eine Aufsichtsbehörde für Terminkontrakte. Jedoch wurde sie damals von drei Personen aufgehalten, Alan Greenspan, Leiter der FED, Robert E. Rubin, Finanzminister und Arthur Levitt Jr., Leiter der SEC (Security and Exchange Commission, die Börsenaufsichtsbehörde der USA, ähnlich wie die BAFIN in Deutschland). Im Jahr 1999 hörte sie bei CFTC auf. Ein ähnlicher Fall betraf David Andrukonis, den Chief Risk Officer (Leiter der Abteilung Risikomanagement) von Freddie Mac (einer der größten Kreditgeber der USA im Bereich Immobilien). Die Warnungen im Jahr 2004, dass die Anzahl und Höhe an Hypothekenkrediten dieser Bank im Subprime-Bereich (minderwertige Kredite von Schuldner mit schlechter Bonität) ein enormes Risiko für das Unternehmen und die gesamte US-Wirtschaft darstellten, kostete ihn wahrscheinlich im Jahr 2005 seinen Job.

Im Jahre 2004 erlaubte die SEC den großen Investmentbanken der USA eine Reduzierung der vorgeschriebenen Eigenkapitalausstattung. Ab dem Zeitpunkt durften diese Banken sich im Umfang des vierzig fachen ihres Eigenkapitals verschulden, die im Gegenzug vereinbarte Kontrolle der SEC fand jedoch nicht statt. Ähnlich lasche Regulierung fand auch unter dem englischen Finanzminister Gordon Brown und Premierminister Tony Blair mit dem Ziel das internationale Finanzkapital nach London zu holen und dieser Trend erfasste sogar die rot-grüne Regierung von Schröder in Deutschland. Schumann und Engelen nennen es den internationalen Wettlauf um die geringste Regulierung der Finanzmärkte.

Greenspan selbst äußerte sich mehrmals negativ hinsichtlich einer Regulierung der Finanzmärkte. Seine Annahme war, dass es eine natürliche egoistische Neigung von Investoren gibt, die die eigene Selbstzerstörung verhindert. Dies wäre ein Mechanismus um unnötige und ausschweifende Risiken einzugrenzen. Er scheint sich jedoch angesichts der momentanen Situation der Weltwirtschaft geirrt zu haben. Individueller Rationalismus führt zum kollektiven Irrationalismus, so habe ich es mal gehört. Ein Teil des Problems könnte auch in der Verwechslung von natürlichen und juristischen Personen liegen. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit jedoch irgendwo, und dies wäre die Hauptarbeit, eine präzise Differenzierung vorzunehmen, zwischen den beiden konträren Standpunkten.

Quelle I: tagesspiegel
Quelle II: washingtonpost
Quelle III: usatoday

Die Ursachen der Finanzkrise: Wirtschaftsliberalismus oder Sozialismus, d.h. vereinfacht Laissez-Faire Ökonomie oder zu viele Staatseingriffe ? Teil I

Mittwoch, 03. Dezember 2008

Es ist aktuell immer noch umstritten, inwieweit die Finanzkrise einem bestimmten Wirtschaftssystem zugeordnet werden kann. Am Beispiel der Bayerischen Landesbank wird diese Problematik aktuell sichtbar. Die Landesregierung in Bayern hat die Absicht diese Bank zu privatisieren, muss also davon ausgehen, dass die Führung der staatlichen Bank versagt hat, also zu viele Staatseingriffe für die Lage dieser Bank verantwortlich sind und nur mittels einer Privatisierung ein effizientes und profitables Wirtschaften erreichbar wird. So kann sich die Bank auf ihre Kernbereiche konzentrieren, wie z.B. die Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen. Stimmt das? Während die Anhänger der liberalen Ideen die Staatseingriffe und die vielen Regulierungsmaßnahmen als Ursachen für die Finanzkrise sehen, machen die Gegner den deregulierten Finanzmarkt und den Turbokapitalismus für diese Krise verantwortlich. Um die Argumente der beiden Lager, Liberalismus und regulierte aber freie Marktwirtschaft (die Befürworter einer stärkeren staatlichen Regulierung gehören sehr unterschiedlichen Fraktionen an, von an sich liberalen Ökonomen bis zu weit links stehenden Personen ) beurteilen zu können, sollen sie gegenübergestellt werden.

Fangen wir mit der liberalen Argumentationslinie an, niemand ist hierfür besser geeignet als das Ludwig von Mises Institut. Ludwig von Mises, der Namensgeber dieses Institutes, war ein österreichischer Wirtschafts-wissenschaftler und Vertreter der liberalen Österreichischen Schule Anfang des 20ten Jahrhunderts. Zitat von ihm persönlich: “Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat. Das Wesen der Staatstätigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zu zwingen, sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antriebe verhalten würden.” Dieses Zitat von Mises verdeutlicht seine Einstellung zu Staatseingriffen, er war ein überzeugter Kapitalist, der die freie Marktwirtschaft als einzig legitimes Wirtschaftssystem und als einen Garant der Freiheit ansah. Die Argumente von George Reisman von diesem Institut lauten folgendermaßen:

  1. Das erste Argument, dass die staatlichen Eingriffe für die Finanzkrise verantwortlich sind, ist die hohe Staatsquote der vereinigten Staaten am Volkseinkommen. Die US-Staatsausgaben betragen 40% des Volkseinkommens. Also werden 40 von 100 Dollars gegen den Willen der Individuen vom Staat ausgegeben, der dieses Geld ja mittels Steuern eingetrieben hat. In einer Laissez-Faire Wirtschaft wäre diese Quote deutlich geringer.

  2. Es gibt fünfzehn Ministerien in den USA, von denen neun (housing, transportation, healthcare etc.) allein damit beschäftigt sind, in die freie Marktwirtschaft einzugreifen. In einer Laissez-Faire Wirtschaft gäbe es nur vier Ministerien, Finanzministerium, Justizministerium, Verteidigungsministerium und das Auswärtige Amt.

  3. Diese Einmischung wird noch von Eingriffen auf der Bundesebene durch Behörden und Komissionen in Form von IRS, FDIC, FBI, CIA etc. verstärkt. In einer tatsächlich freien Marktwirtschaft gäbe es allein das FBI, und dieses wäre nur bei der Gegenspionage und bei bundesstaaten übergreifenden Verbrechen tätig.

  4. Für das Jahr 2007 beträgt die Anzahl der Seiten im Federal Register, eine Art Bundesanzeiger der USA mit detaillierten Regeln und Regularien, 73 000 Seiten. Dies entspricht einer Steigerung um 10 000 Seiten seit 1978. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass in einer freien Wirtschaft dieses Register obsolet wäre.

  5. Der letzte Punkt sind die vielen Regularien auf der Bundes- und Bundesstaatlicher, also lokaler, Ebene.

Die Ursachen der aktuellen Finanzkrise liegen also demnach in den massiven staatlichen Interventionen, insbesondere in Form der FED (der Zentralbank der USA). Diese hat besonders seit dem Jahr 2001 eine Ausweitung der Geld- und Kreditmenge quasi „aus der Luft“ ermöglicht. Das neue zusätzliche Geld bildet jedoch keine neuen zusätzlichen Kapitalgüter ab, und dies führt dann zu einem verschwenderischen Umgang mit Geld, dessen neuster historischer Ausdruck die Immobilienkrise sei. Die niedrigen Leitzinsen der FED führten also zu einer schädlichen Umlenkung des Geldkapitals in Höhe von ca. anderthalb Billionen US-Dollar. Daraus folgte ein Bauboom und erhöhter Kauf von Häusern, der daraufhin zu steigenden Immobilienpreisen führte. Diese Preissteigerungen nährten wiederum den Immobilienboom. Das Ziel der FED bestand in der Stimulation von Investitionen und Konsum um eine hohe Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Das Halten und Sparen von Geld sollte möglichst unattraktiv werden. Des weiteren ist die Rolle der Staatsgarantien für Immobilienkredite vom Department of Housing and Urban Developement erwähnenswert. Die Reduzierung der Anforderungen bei Immobilienkrediten wurde sowohl für die Kreditnehmer wie Kreditgeber ermöglicht. Ähnliches gilt für den Community Reinvestment Act, ein Gesetz zur Ankurbelung der lokalen Investitionen, bei deren nicht Durchführung lokale Interessengruppen die Bank anklagen können.
Quelle: Mises Institut

Eine etwas andere Meinung vertritt der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz, immerhin ein Nobelpreisträger in den Wirtschaftswissenschaften. Den Hauptgrund für die Krise sieht er ebenfalls in der makro-ökonomischen Politik der amerikanischen Regierung. Hierbei insbesondere die Steuerreduzierung für die hohen Einkommen, von denen jedoch kein ökonomischer Impuls ausging, und den Krieg im Irak, der zum hohen Ölpreis geführt hat. Die Politik der FED von niedrigen Leitzins und die lasche Regulierung der Finanzmärkte führten dann in die heutige Katastrophe. Des weiteren nennt er die falschen kurzfristigen Anreizmechanismen in der Finanzwirtschaft, das Fehlverhalten der Ratingagenturen, die Derivate als Zockerpapier und die unzureichende Regulierung im Finanzsektor, bzw. die ungenügende Durchsetzung der bestehenden Regularien. Der interessanteste Unterschied zu Reisman ist jedoch die Sichtweise von Sitglitz auf die FED. Alan Greenspan wird als Hohepriester der Laissez-Faire Ökonomie bezeichnet, der die Regulierungmöglichkeiten der FED nicht durchgesetzt hat. Für Stiglitz ist also nicht eine Intervention des Staates das Problem, sondern die falsche Intervention der Bush-Administration und der FED in die Marktwirtschaft.

Quelle: Joseph Stiglitz