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Die Gründung einer “Bad Bank”

Mittwoch, 28. Januar 2009

Die Bankinstitute fordern zunehmend vom Staat, dass er eine sogenannte „Bad Bank“ gründet. Was ist das? Eine schlechte Bank? Haben wir davon nicht schon genug heutzutage? Die Funktion einer „Bad Bank“ wäre es, die faulen Kredite von den Banken zu einem recht hohen Preis ab zukaufen und bei sich zu lagern. Vielleicht würde sich der Immobilienmarkt irgendwann in der Zukunft erholen, so könnte die staatliche Auffangbank die Papiere zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit geringen Verlusten oder sogar Gewinnen loswerden. Vielleicht aber auch nicht… Neben anderen Banken erfüllte z.B. die Mittelstandsbank IKB schon die Rolle einer „Bad Bank“. Sie hat verbriefte Wertpapiere in Wert von mehreren Milliarden Euro von amerikanischen Investmentbanken und einer renommierten deutschen Bank erworben. Diese soll der IKB, nachdem sie von den Risiken dieser Hypothekendarlehen wusste, noch Papiere bis zum Tag der Insolvenzanmeldung der IKB verkauft haben. Die große deutsche Bank hat sogar selbst die Insolvenz der IKB an die Bankenaufsichtsbehörde gemeldet und soll den Problemfonds, Rhineland Funding, als Depotbank der IKB verwaltet haben. Daneben soll sie an den Vermittlungsgebühren der faulen Kredite an die IKB ordentlich verdient haben.

In der Wirtschaftswissenschaft wird diese Problematik beim Begriff des Opportunismus aufgegriffen. Opportunismus entsteht immer bei einer asymmetrischen Informationsverteilung. Ein dafür einleuchtendes Beispiel ist der Gebrauchtwagenmarkt. Der Autoverkäufer hat umfassendere Informationen hinsichtlich des tatsächlichen Zustandes des Autos als der Käufer. So nimmt der Käufer beim Kauf eines Gebrauchtwagens immer ein Risiko auf sich. Den wahren Wert des Autos kann von ihm nur grob geschätzt werden. Um dieses Risiko zu verringern, kann er den Wagen zu einer Autowerkstatt zur Kontrolle bringen, eine Garantieleistung erwerben oder ein vorhandenes Service-Heft einsehen. Jedoch entsteht in einer Autowerkstatt wiederum ein asymmetrisches Informationsverhältnis zwischen dem möglichen Autokäufer und dem Mechaniker, falls der z.B. an Folgeaufträgen für Reparaturen interessiert ist. Das mögliche opportunistische Verhalten liegt auf der Seite des Autoverkäufers, der kann seinen Vorteil bei ungleicher Informationsverteilung ausnutzen, um einen höheren Profit für sich zu generieren. Letztendlich basiert ein erfolgreicher Geschäftsabschluss beiderseits bei komplexen Produkten zum großen Teil auf Vertrauen. Dies betrifft nicht nur Gebrauchtwagen, Lebensversicherungen oder Häuser, sondern auch verbriefte Immobilienkredite.

Die besagte deutsche Bank konnte möglicherweise ihren Informationsvorsprung zum Schaden der IKB ausnutzen. Ein anderer brisanter Fall dieser Bank, in Zusammenhang mit dem Verkauf von CDOs an eine amerikanische Regionalbank, wird von Blick Log beschrieben. Die einzelnen Fälle summieren sich auf, mit der Zeit werden bestimmt noch einige auftauchen, und erzeugen ein sehr negatives Image dieser Bank. Es ist unnötig zu betonen, wie wichtig Vertrauen bei Banken ist. Nicht nur das Vertrauen zwischen den privaten Kunden und den Banken, sondern auch das Vertrauen zwischen den Banken selbst, ist mächtig ramponiert worden. Die Banken haben nicht nur Angst davor, ihr ausgeliehenes Geld an andere Banken zu verlieren, sondern auch über das wahre Ausmaß der Risiken der angebotenen verbrieften Papiere von anderen Banken getäuscht zu werden. Dies führte letztendlich zu einer Starre im Interbankenmarkt. Es gibt mehrere Möglichkeiten mit dem Problems des Opportunismus umzugehen, post (im Nachhinein)und ex ante (vorhergehend). Ein möglicher Ansatz würde in einer drastischen Bestrafung von opportunistischen Verhalten durch Schadensersatzklagen bestehen. Ein anderer Weg wäre die Beteiligung der opportunistisch Handelnden am potentiellen Risiko. D.h. konkret am Beispiel der verbrieften Hypothekendarlehen, die Vermittlungs- oder Verkaufsbank dieser Produkte haftet anteilig mit im Fall eines Ausfalls dieser Darlehen. Der Nachweis von opportunistischen Verhalten gestaltet sich jedoch sehr schwierig, deshalb sollten Aufsichtsbehörden (sowohl Banken, wie Börsenaufsicht) einen größeren Spielraum bekommen und diesen natürlich auch verwirklichen. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat z.B. immens größere Handlungsbefugnisse (beispielsweise im Bereich des Insiderhandels) als die deutsche Aufsichtsbehörde.

Quelle I: Spiegel I
Quelle II: Spiegel II
Quelle III: boerse.ard