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Die Rolle der Rating-Agenturen

Donnerstag, 22. Januar 2009

Eine der beteiligten Akteure bei dem ganzen Schlamassel, genannt die Finanzkrise, waren die drei großen privaten Rating-Agenturen Standard & Poor’ s und Moody’ s aus den USA, außerdem noch Fitch Ratings aus Großbritannien. Ihre Arbeit besteht in dem Bewerten von Unternehmen, Ländern und z.B. verbrieften Wertpapieren hinsichtlich ihrer Bonität (ihrer Kreditwürdigkeit). Investoren weltweit richten sich nach ihren Bewertungen, dementsprechend ist ihr Einfluss immens groß. Verschlechtert sich die Kreditwürdigkeit eines Landes, wird die Kreditaufnahme des entsprechenden Landes sofort erschwert bzw. verteuert. Ein aktueller Fall ist die Bewertung der Zahlungsfähigkeit von mehreren EU-Ländern wie Spanien, Griechenland, Portugal und Irland. Alle vier Länder wurden hinsichtlich ihrer Bonität abgestuft. Natürlich verschlechtert in diesem Fall das Rating nicht allein die Kreditaufnahme dieser Länder, sondern wirkt sich direkt auf die Währungsstärke des Euro aus und erzeugt Spannungen auf den Zusammenhalt zwischen den EU-Ländern. Das Verfahren, das zu einer Bewertung führt, wird nicht öffentlich gemacht. Dies verhindert eine mögliche Überprüfung der angewandten Kriterien. Letztendlich ist ein Rating zu einer Geheimwissenschaft geworden. Alle in der ökonomischen Welt fürchteten jedoch das Urteil der mächtigen Rating-Agenturen.

Die schädlichen Auswirkungen eines Ratings wurden bereits in dem Fall Enron deutlich. Moody’ s und Standard & Poor’ s bescheinigten dem Energieriesen Enron noch fünf Tage vor dessen Insolvenz eine gute Bonität. Sie erstellten auch beste Bewertungen für hypothekarisch besicherte Anleihen (mortgage-backed securities), d.h. Wertpapiere, die durch Vermögenswerte wie Immobilien abgesichert waren, womit wir wieder bei der Finanzkrise angekommen sind. Die Banken, die diese Papiere aufkauften, verließen sich auf die Bewertung der Rating-Agenturen. Wer sich auf andere verlässt, wird verlassen. Es lassen sich mehrere Gründe für diese gute Bewertung der strukturierten (mit strukturiert meint man die Bündelung von tausenden Immobilienkrediten, so werden Kredite guter Bonität mit Krediten mittlerer und schlechter Bonität zusammengestellt und als verbriefte Wertpapiere aber wieder mit guter Bonität an Investoren verkauft) Kredite finden. Bei den Rating-Agenturen lassen sich verschiedene Interessenkonflikte identifizieren. Sie werden von Unternehmen, die sie bewerten bezahlt. Insbesondere große Unternehmen sind natürlich große Kunden, die viel Geld bei den Rating-Agenturen lassen, dieser Konflikt tritt auch bei Prüfungsgesellschaften auf. Die großen Rating-Agenturen kommen alle aus dem anglo-amerikanischen Raum, beherrschen über 90% ihres Marktes, bei Unternehmen, die in den amerikanischen Börsen notiert sind, sind nur diese drei Rating-Agenturen für die Unternehmensbewertung von der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde zugelassen. Es ist schwer vorstellbar, dass der amerikanische oder britische Staat keinen Einfluss auf diese drei Agenturen ausüben kann.

Es ist auch interessant sich mit der Arbeitsweise der Rating-Agenturen zu beschäftigen. Es gibt mehrere unternehmensinterne Memos, die dafür sehr aufschlussreich sind. Beispielsweise gibt es dieses Gespräch zwischen zwei Analysten.

Analyst 1: Das Modell schafft es nicht mal die Hälfte der Risiken zu berücksichtigen.
Analyst 2: Wir sollten dafür kein Rating abgeben.
Analyst 1: Wir geben für Alles ein Rating, es könnte von Kühen strukturiert sein, und wir würden es bewerten.

Ein anderes Beispiel ist die Aussage eines Managers einer von diesen Rating-Agenturen; „Wir hatten Scheuklappen auf, und stellten die uns gegebenen Informationen nie in Frage. Diese Fehler stellen uns entweder als völlig inkompetent bezüglich der Kreditanalyse dar, oder als ob wir unsere Seele an den Teufel wegen des Profits verkauft hätten, oder etwas von beiden.“

„Lass uns hoffen, dass wir alle reich und in Rente sind, wenn dieses ganze Kartenhaus zusammenbricht.“ Dies scheint eine verbreitete Einstellung zu sein, nach mir die Sintflut.

Die EU-Kommission scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben. Nach einem ersten Entwurf dürfen Banken, Versicherer und Fondsgesellschaften nur noch Ratings verwenden, die von EU lizenzierten Bonitätsprüfern stammen. Die Lizenzierung und Aufsicht sollen von nationalen Behörden übernommen werden. Rating-Analysten sollen nicht länger als vier Jahre einen Kunden bewerten. Es dürfen keine Beratungsdienstleistungen von den Rating-Agenturen erbracht werden, insbesondere keine Hilfe bei der Strukturierung der forderungsbesicherten Anleihen um ein gutes Rating zu kriegen! Bei Abwesenheit von zuverlässigen Informationen darf kein Rating vorgenommen werden etc. Alle diese möglichen Verordnungen sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber wieso erst jetzt, und nicht schon z.B. 2001?

Quelle 1:washington post
Quelle 2:EU-Kommission
Quelle 3:Bewertung von EU-Ländern