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Die Ursachen der Finanzkrise: Wirtschaftsliberalismus oder Sozialismus, d.h. vereinfacht Laissez-Faire Ökonomie oder zu viele Staatseingriffe ? Teil I

Mittwoch, 03. Dezember 2008

Es ist aktuell immer noch umstritten, inwieweit die Finanzkrise einem bestimmten Wirtschaftssystem zugeordnet werden kann. Am Beispiel der Bayerischen Landesbank wird diese Problematik aktuell sichtbar. Die Landesregierung in Bayern hat die Absicht diese Bank zu privatisieren, muss also davon ausgehen, dass die Führung der staatlichen Bank versagt hat, also zu viele Staatseingriffe für die Lage dieser Bank verantwortlich sind und nur mittels einer Privatisierung ein effizientes und profitables Wirtschaften erreichbar wird. So kann sich die Bank auf ihre Kernbereiche konzentrieren, wie z.B. die Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen. Stimmt das? Während die Anhänger der liberalen Ideen die Staatseingriffe und die vielen Regulierungsmaßnahmen als Ursachen für die Finanzkrise sehen, machen die Gegner den deregulierten Finanzmarkt und den Turbokapitalismus für diese Krise verantwortlich. Um die Argumente der beiden Lager, Liberalismus und regulierte aber freie Marktwirtschaft (die Befürworter einer stärkeren staatlichen Regulierung gehören sehr unterschiedlichen Fraktionen an, von an sich liberalen Ökonomen bis zu weit links stehenden Personen ) beurteilen zu können, sollen sie gegenübergestellt werden.

Fangen wir mit der liberalen Argumentationslinie an, niemand ist hierfür besser geeignet als das Ludwig von Mises Institut. Ludwig von Mises, der Namensgeber dieses Institutes, war ein österreichischer Wirtschafts-wissenschaftler und Vertreter der liberalen Österreichischen Schule Anfang des 20ten Jahrhunderts. Zitat von ihm persönlich: “Der Staatsapparat ist ein Zwangs- und Unterdrückungsapparat. Das Wesen der Staatstätigkeit ist, Menschen durch Gewaltanwendung oder Gewaltandrohung zu zwingen, sich anders zu verhalten, als sie sich aus freiem Antriebe verhalten würden.” Dieses Zitat von Mises verdeutlicht seine Einstellung zu Staatseingriffen, er war ein überzeugter Kapitalist, der die freie Marktwirtschaft als einzig legitimes Wirtschaftssystem und als einen Garant der Freiheit ansah. Die Argumente von George Reisman von diesem Institut lauten folgendermaßen:

  1. Das erste Argument, dass die staatlichen Eingriffe für die Finanzkrise verantwortlich sind, ist die hohe Staatsquote der vereinigten Staaten am Volkseinkommen. Die US-Staatsausgaben betragen 40% des Volkseinkommens. Also werden 40 von 100 Dollars gegen den Willen der Individuen vom Staat ausgegeben, der dieses Geld ja mittels Steuern eingetrieben hat. In einer Laissez-Faire Wirtschaft wäre diese Quote deutlich geringer.

  2. Es gibt fünfzehn Ministerien in den USA, von denen neun (housing, transportation, healthcare etc.) allein damit beschäftigt sind, in die freie Marktwirtschaft einzugreifen. In einer Laissez-Faire Wirtschaft gäbe es nur vier Ministerien, Finanzministerium, Justizministerium, Verteidigungsministerium und das Auswärtige Amt.

  3. Diese Einmischung wird noch von Eingriffen auf der Bundesebene durch Behörden und Komissionen in Form von IRS, FDIC, FBI, CIA etc. verstärkt. In einer tatsächlich freien Marktwirtschaft gäbe es allein das FBI, und dieses wäre nur bei der Gegenspionage und bei bundesstaaten übergreifenden Verbrechen tätig.

  4. Für das Jahr 2007 beträgt die Anzahl der Seiten im Federal Register, eine Art Bundesanzeiger der USA mit detaillierten Regeln und Regularien, 73 000 Seiten. Dies entspricht einer Steigerung um 10 000 Seiten seit 1978. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass in einer freien Wirtschaft dieses Register obsolet wäre.

  5. Der letzte Punkt sind die vielen Regularien auf der Bundes- und Bundesstaatlicher, also lokaler, Ebene.

Die Ursachen der aktuellen Finanzkrise liegen also demnach in den massiven staatlichen Interventionen, insbesondere in Form der FED (der Zentralbank der USA). Diese hat besonders seit dem Jahr 2001 eine Ausweitung der Geld- und Kreditmenge quasi „aus der Luft“ ermöglicht. Das neue zusätzliche Geld bildet jedoch keine neuen zusätzlichen Kapitalgüter ab, und dies führt dann zu einem verschwenderischen Umgang mit Geld, dessen neuster historischer Ausdruck die Immobilienkrise sei. Die niedrigen Leitzinsen der FED führten also zu einer schädlichen Umlenkung des Geldkapitals in Höhe von ca. anderthalb Billionen US-Dollar. Daraus folgte ein Bauboom und erhöhter Kauf von Häusern, der daraufhin zu steigenden Immobilienpreisen führte. Diese Preissteigerungen nährten wiederum den Immobilienboom. Das Ziel der FED bestand in der Stimulation von Investitionen und Konsum um eine hohe Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Das Halten und Sparen von Geld sollte möglichst unattraktiv werden. Des weiteren ist die Rolle der Staatsgarantien für Immobilienkredite vom Department of Housing and Urban Developement erwähnenswert. Die Reduzierung der Anforderungen bei Immobilienkrediten wurde sowohl für die Kreditnehmer wie Kreditgeber ermöglicht. Ähnliches gilt für den Community Reinvestment Act, ein Gesetz zur Ankurbelung der lokalen Investitionen, bei deren nicht Durchführung lokale Interessengruppen die Bank anklagen können.
Quelle: Mises Institut

Eine etwas andere Meinung vertritt der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Stiglitz, immerhin ein Nobelpreisträger in den Wirtschaftswissenschaften. Den Hauptgrund für die Krise sieht er ebenfalls in der makro-ökonomischen Politik der amerikanischen Regierung. Hierbei insbesondere die Steuerreduzierung für die hohen Einkommen, von denen jedoch kein ökonomischer Impuls ausging, und den Krieg im Irak, der zum hohen Ölpreis geführt hat. Die Politik der FED von niedrigen Leitzins und die lasche Regulierung der Finanzmärkte führten dann in die heutige Katastrophe. Des weiteren nennt er die falschen kurzfristigen Anreizmechanismen in der Finanzwirtschaft, das Fehlverhalten der Ratingagenturen, die Derivate als Zockerpapier und die unzureichende Regulierung im Finanzsektor, bzw. die ungenügende Durchsetzung der bestehenden Regularien. Der interessanteste Unterschied zu Reisman ist jedoch die Sichtweise von Sitglitz auf die FED. Alan Greenspan wird als Hohepriester der Laissez-Faire Ökonomie bezeichnet, der die Regulierungmöglichkeiten der FED nicht durchgesetzt hat. Für Stiglitz ist also nicht eine Intervention des Staates das Problem, sondern die falsche Intervention der Bush-Administration und der FED in die Marktwirtschaft.

Quelle: Joseph Stiglitz