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Frohe Weihnachten allerseits!

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Falls man noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, sollte man das Buch „Die Weltvernichtungsmaschine“ von Stefan Frank in Betracht ziehen. Zugegeben, es ist kein besonders weihnachtlicher Titel. Aber es ist die beste und knappste, jedoch trotzdem umfassendste Zusammenfassung der momentanen Finanz- und Wirtschaftskrise, die mir in diesem Jahr in die Hände fiel. Stellenweise ist das Buch auch wirklich erheiternd. Anhand der Tulpenkrise in Holland im 17. Jahrhundert kann man sich die Absurdität der Reaktion von staatlichen Stellen auf die Bankenkrise von heute vor die Augen führen. Die Spekulationsblase erreichte im Jahr 1637 ihren Höhepunkt und platzte im Februar desselben Jahres. 1638 verordnete die niederländische Regierung eine Auflösung der Kaufverträge und es sollte ein Ausgleich in Form von 3 – 5 Prozent des Kaufpreises der Tulpen erfolgen. Eine Rezession der holländischen Wirtschaft soll hiermit verhindert worden sein. Stefan Frank erwägt den hypothetischen Fall, wie die heutigen Regierungen auf diese Tulpenkrise reagiert hätten. Die Ursache der Krise wären nicht die absurden Preise der Tulpensorten gewesen, sondern die zu niedrigen Preise, deshalb würde man Bürgschaften für die Tulpenhändler ausgeben. Es würde ein Rettungsschirm für die Tulpenhändler aufgespannt werden, weil sie für jedermann offensichtlich systemrelevant wären. Die niederländische Wirtschaft, ach was die Weltwirtschaft, würde zusammenbrechen, falls die Tulpenhändler insolvent werden. Nebenbei sollten günstige Kredite für den Kauf von Tulpen verfügbar sein. Auch die Errichtung von „Bad Banks“ wäre möglich, wobei die Schuldscheine der Tulpenhändler in Staatsanleihen umgewandelt würden, damit diese liquide bleiben. Natürlich würde die Zentralbank Stützungskäufe durchführen um Vertrauen in den Tulpenmarkt zu schaffen. Nicht ausgeschlossen wären auch direkte staatliche Beteiligungen an den größten Tulpenhändlern. Die Wirklichkeit scheint die Satire schon lange überholt zu haben.

Quelle: „Die Weltvernichtungsmaschine“ von Stefan Frank

Silber und Super Bowl

Sonntag, 01. Februar 2009

Heute ist der Super Bowl Sunday, das Finale der amerikanischen Football-Liga NFL („National Football League“). Den Begriff Super Bowl hat Lamar Hunt, der Besitzer der Kansas City Chiefs, erfunden. Lamar wurde, als einer der wenigen Besitzer von Football-Clubs in die Ruhmeshalle („Hall of Fame“) des amerikanischen Footballs aufgenommen. Seit 1969 wird dieser Begriff offiziell für das Endspiel der NFL verwendet. Das Team ist bis heute in Besitz der Familie Hunt. Dies ist ein willkommener Anlass sich mit der Hunt-Familie zu beschäftigen, insbesondere mit den beiden Brüdern von Lamar Hunt, William und Nelson Hunt.

Das große Vermögen der Familie Hunt wurde Anfang des 20ten Jahrhunderts mit Erdöl-Geschäften gemacht. Ende der siebziger Jahre wurde es auf eine Summe zwischen 6 und 8 Milliarden Dollar geschätzt. William und Nelson Hunt beschlossen ab 1970 (zu der Zeit war der Goldbesitz für private Personen in den USA verboten) eine Monopolstellung auf dem Edelmetallmarkt Silber zu kriegen. Über eine Periode von zehn Jahren kauften sie eine gigantische Menge von 5000 Tonnen Silber (15% der weltweiten Vorräte) ein und lagerten es bei europäischen Banken. Der Silberpreis fing 1979 steil in die Höhe zu steigen, von 8 Dollar auf 34,45 Dollar Ende 1979. Sogar der jüngere Bruder, Lamar, stieg mit 300 Millionen in den Silbermarkt ein. Dann schritten die Behörden ein und veränderten die Regeln um die Spekulation zu stoppen. Die COMEX (New York Commodities Exchange, eine Warenterminbörse) erlaubte am 7. Januar nur noch Kaufkontrakte mit einer Höchstgrenze von 10 Millionen Dollar pro Person, alle Kontrakte darüber hinaus sollten bis zum 18ten Januar aufgelöst werden. Anfang 1980 erreichte der Silberpreis einen Spitzenwert von 52,5 Dollar pro Unze. Zu dem Zeitpunkt hätten die beiden Brüder einen Gewinn von 3,5 Milliarden Dollar sicher. Am 21. Januar verkündete die COMEX, dass nur Verkaufskontrakte von Silber akzeptiert werden, damit wurde ein weiterer Anstieg des Silberpreises unmöglich gemacht. Es konnte mit dem Preis nur nach unten gehen. Der Preis von Silber fiel auf 21 Dollar am 14. März. Die Hunt Brüder waren gezwungen ihre Positionen glatt zuziehen, um ihre Gläubiger zu bedienen, siegessicher haben sie Kredite für einen Teil der Käufe aufgenommen. Der Preis fiel und sie mussten zu jedem Preis verkaufen. Am 25. März hatten die beiden Brüder kein Geld mehr und mussten physisches Silber verkaufen. Am 27. März pendelte sich der Silberpreis bei 10,80 Dollar. Am Ende hatten die Brüder einen Schuldenstand von 1,5 Milliarden Dollar. Hätten die Brüder nicht am Warenterminmarkt mitgespielt, hätten sie mit ihren physischen Silberreserven sogar einen kleinen Gewinn erzielt. 1988 sind beide schließlich in die private Insolvenz gegangen.

Aus der Geschichte lassen sich zwei Schlussfolgerungen ableiten. Zuerst mag das Motiv der beiden Brüder gewesen sein, ihr Vermögen mittels Silber gegen eine Inflation abzusichern, bei ihrem Einstieg in die Warenterminbörse jedoch wurden sie gierig und verloren letztendlich. Zweitens hatten sie mächtige Gegenspieler, wahrscheinlich mehrere große Banken. Es ist möglich, dass diese ihren Einfluss auf die Regierung ausgeübt haben um die Spielregeln auf der Warenterminbörse zu ändern. Bei hohen Gegenpositionen der Banken war vielleicht sogar ein systematisches Risiko für diese Banken entstanden, das zu deren Pleiten und einen negativen Effekt auf die Wirtschaft der USA führen würde. Wer weiß das schon…

Quelle: Silberspekulation der Hunts