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Die Babysitting-Gesellschaft in der Rezession I

Donnerstag, 21. Mai 2009

Die Menge an Coupons wurde mit der Zeit knapp. Die Paare bekamen den Eindruck, dass ihre Couponvorräte zu Neige gingen und fingen an Coupons zu horten. Somit wurden auch die Gelegenheiten auszugehen rar. Und dies führte dazu, dass noch mehr Paare anfingen Coupons zu sammeln. Bevor wir uns die möglichen Auswege aus dieser Situation anschauen, sollen die Ursachen geklärt werden. Wie entstand also der Eindruck, dass es zu wenige Coupons gibt und sie deshalb aufgehoben werden müssen? Krugman betont, dass die Gründe der Rezession nicht auf der Angebotsseite zu suchen sind. D.h., es soll nicht an der Qualität der Babysitter selbst gelegen haben. Es soll auch keine Verzerrungen, Ungerechtigkeiten oder Vetternwirtschaft gegeben haben. Und es wurde auch keine neue bahnbrechende Technologie in dem Babysitting-Sektor eingeführt. Seiner Meinung nach wurde „einfach“ zu wenig ausgegeben, die Nachfrageseite soll also schuld gewesen sein.

Zuerst setzten sich die Juristen unter den Babysittern durch und wollten eine Regelung erlassen, dass jedes Paar mindestens zweimal im Monat zum Ausgehen verpflichtet. Letztendlich konnten sich jedoch die Ökonomen durchsetzen und so wurde das Couponangebot erhöht. Durch die Zuversicht wegen den gestiegenen Couponreserven gingen mehr Paare aus. Dies verschaffte den Paaren mehr Möglichkeiten als Babysitter zu arbeiten, und dies hatte wiederum zur Folge, dass noch mehr Paare ausgingen. So wurde ein ökonomischer Boom ausgelöst.

In diesem einfachen Beispiel wird es schon schwierig, Ursachen für das Horten der Coupons zu finden. Krugman behauptet, die Rezession und ihre Lösung sind rein technischer Natur. Eine ausreichend hohe Anzahl an Paaren ging davon aus, dass sie in der Zukunft Coupons benötigen werden. Deshalb führte diese Erwartungshaltung zu einem Überhang an Babysittern in Relation zu den Paaren, die einen Babysitter benötigten. Wodurch wurde diese Erwartungshaltung jedoch ausgelöst? Die Ursachen lassen sich wahrscheinlich eher mit Hilfe der Psychologie als der Ökonomie heraus finden.

Die Babysitting-Genossenschaft: die Grundlagen

Samstag, 09. Mai 2009

Um volkswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen zu können, ist es vom großen Nutzen dies anhand von einfachen Vergleichen zu tun. Eine Metapher kann man dann Stück für Stück erweitern um die komplexe Realität analysieren zu können. Falls die Geschichte der Babysitting-Genossenschaft das Leben von einem berühmten Ökonomen wie Paul Krugman verändert hat, sollte man sich nicht davor scheuen, sie kennen zu lernen. Von den Wirtschaftswissenschaftlern Joan und Richard Sweeney zuerst veröffentlicht, wird die Geschichte einer Babysitting-Genossenschaft, die tatsächlich in den 1970er Jahren existierte, erzählt. Eine Gruppe von 150 Paaren hat sich damals zusammengetan um gegenseitig auf ihre Kinder aufzupassen. Als Zahlungsmittel wurden Berechtigungsscheine ausgestellt, die einer Stunde Babysitting entsprachen. Jedes Paar bekam am Anfang dieselbe Anzahl an den Coupons ausbezahlt. Falls es ausgehen wollte, konnte sie das Babysitten mit diesen Coupons bezahlen. Um jedoch nicht zahlungsunfähig zu werden, müsste es auch selbst Coupons durch Babysitten verdienen. Über die Jahre würde so jedes Pärchen theoretisch genau soviel auf die Kinder anderer Paare aufpassen, wie jedes andere Paar oder zumindest wie es selbst ausgehen kann.

Mit diesem Beispiel haben wir die Grundlagen einer Volkswirtschaft gelegt. Die Paare entsprechen den Wirtschaftssubjekten und die Coupons den Zahlungsmittel. Die Paare haben die Auswahl zwischen der Arbeit, des Babysittens und des Konsums, des Ausgehens. Die am Anfang scheinbar gerechte Vergabe der Coupons lässt sich auf die reale Welt natürlich nicht übertragen. Schon allein an dem Beispiel lässt sich über diese Verteilung stundenlang streiten. Das Aufpassen auf die Kinder einer sechs oder acht-köpfigen Familie ist natürlich anstrengender, als das Aufpassen auf nur ein zusätzliches Kind. Ökonomen wie Philosophen können sich vorzüglich über die beste Gerechtigkeitsdefinition streiten. Wir nehmen deshalb einfach halber an, dass alle Paare exakt zwei Kinder haben. Dieses am Anfang einfaches Beispiel ist bestens geeignet um solch schwierige Begriffe wie Rezession, Deflation und Inflation zu erklären.

Nächster Teil: Rezession in der Babysitter-Gesellschaft

Primärquelle: Joan und Richard Sweeney „Monetary Theory and the Great Capitol Hill Baby Sitting Co-op crisis”
Sekundärquelle: Paul Krugman