Relativ von der Öffentlichkeit unbemerkt wurden mehrere bedeutende Reformvorschläge durch den Senat verabschiedet. Es ist davon auszugehen, dass die negativen Reaktionen der Finanzmärkte in den letzten Wochen mehr mit diesen Entscheidungen zu tun hatten, als mit der Schuldenkrise von Griechenland. Ein Gesetzesvorschlag muss dann noch das Repräsentantenhaus passieren und vom Präsidenten bestätigt werden. Die tief greifenden Forderungen zur Regulierung der Finanzmärkte von ForOurEconomy.org, einen Zusammenschluss von mehreren sogenannten Graswurzelbewegungen in den USA, sollen beleuchtet und mit dem Ergebnis des Senats verglichen werden. Dieses Vorgehen ermöglicht eine bessere Einschätzung der tatsächlich in Umsetzung begriffenen Finanzmarktreformen.
An erster Stelle steht die Forderung die großen Banken zu zerschlagen, damit die dadurch entstehenden kleineren Banken im Falle einer Insolvenz abgewickelt werden können und den Status eines systemrelevanten Institutes verlieren. Dieser Vorschlag wurde im Senat von den Senatoren Kaufman und Brown eingebracht, hierbei sollte die Bilanzsumme einer einzelnen Bank auf 3 Prozent des BIP beschränkt werden. Ebenfalls sollte die Kreditvergabe begrenzt werden. Der Vorschlag wurde jedoch nicht im Reformwerk berücksichtigt.
Der zweite Vorschlag bezieht sich auf einen transparenten Handel von außerbörslichen Derivatgeschäften (Derivate sind Finanzinstrumente, die von den eigentlichen Finanzwerten, den Basiswerten, abgeleitet sind, z.B. Optionen) und den Verbot von sogenannten High Frequency Trading (HFT) Geschäften. Die Senatorin Blanche Lincoln bezieht sich mit dem „Wall Street Transparency and Accountability Act“ auf den ersten Punkt des zweiten Vorschlages. Der Derivatmarkt hat weltweit etwa eine Größe von über 600 Billionen US-Dollar und ist zum größten Teil nicht reguliert. Die Akteure auf diesem Markt bestehen aus Banken und anderen Finanzinstituten wie z.B. Hedge Fonds. Die Schaffung einer Börse für Derivatgeschäfte hätte zum einen den Vorteil, dass die Aufsichtsbehörden die Kontrolle über diesen Markt gewinnen könnten, zum anderen, dass die beteiligten Vertragsparteien direkt die Geschäfte über eine Börse abschließen könnten. Damit würden die großen Banken als Vermittler umgangen werden, die ordentlich an den Provisionen mit verdienten. Nebenbei hat die Senatorin Lincoln den Vorschlag durchgebracht, dass Geschäftsbanken, die sich Geld von der Notenbank ausleihen, keine Derivatgeschäfte mehr auf eigene Rechnung durchführen dürfen. Dies hätte vergleichbare Folgen für die Pseudo-Geschäftsbanken (Investmentbanken) wie der Glass-Steagall Act. Soweit wie der Vorstandsvorsitzender der CFTC (Aufsichtsbehörse für Futures), Gary Gensler, der schlicht einen Verbot von bestimmten Derivatgeschäften gefordert hat, gehen die Reformvorschläge des Senats jedoch nicht.
Der Vorschlag bezüglich HFT ist problematischer und wurde vom Senat nicht berücksichtigt. So wird die Frage, ob z.B. Goldman Sachs in der Lage ist mit ihrer Handelsplattform und Handelsprogrammen die Finanzmärkte zu beeinflussen, erstmal ungeklärt bleiben müssen.
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