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Deregulierung als mögliche Ursache der Finanzkrise, Teil I
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Die Abkehr von dem Glass-Steagall-Act
Der Glass-Steagall-Act von 1933 wurde als Antwort auf die Bankenkrise der 30er Jahre von der Roosevelt-Administration eingeführt. Der Kern dieser Maßnahme zielte auf die strikte Trennung von kommerziellen Banken, also Geschäftsbanken und Investmentbanken. So sollte die Verwaltung und der Schutz von Bankkundeneinlagen von den risikoreichen Anlagegeschäften separiert werden. Hiermit wurde eine neue duale Struktur in der Finanzwirtschaft erreicht.
Zwischen 1932-1934 wurde ein Ausschuss gebildet um die Vorgänge in den amerikanischen Banken während der letzten Jahre zu untersuchen, der sogenannte Pecora-Ausschuss. Dieser Ausschuss ermittelte mehrere von einander unabhängige Probleme, von denen die zwei wichtigsten genannt werden sollen. Die Einlagen der Bankkunden waren hohen Risiken ausgesetzt, indem sie von den Banken für den Handel auf dem Börsenmarkt benutzt wurden und die Anlageberatung war durch das Geschäftsverhältnis mit den auf die Börse gebrachten Unternehmen von einem starken Interessenkonflikt geprägt. Diese Interessenkonflikte sollten durch den Glass-Steagall-Act gelöst werden, indem keine kommerzielle Bank in den hauptsächlich risikoreichen Geschäftsbereichen einer Investmentbank tätig werden konnte und umgekehrt. Ebenso wurde Bankern verboten gleichzeitig in beiden Institutionen tätig zu sein. Bereits kurz nach dem Erlass dieser Regulierungsmaßnahme versuchte die Finanzindustrie, diese zu umgehen. Sie nutzte eine Gesetzeslücke, weil Bankholdings darin nicht erfasst wurden. So konnte eine Geschäftsbank und eine Investmentbank in einer Holding, einer Art Beteiligungsgesellschaft, zusammen gemanagt werden. Als Antwort darauf wurde der Bank Holding Company Act 1956 erlassen, der genau diese Geschäftspraktik untersagte. Die neue Regelung enthielt jedoch wiederum eine Lücke; Ausnahmen waren möglich, falls die FED dies erlaubte und sie nutzte diese Ausnahmegenehmigung, auch unter dem Druck der Banken und deren Fusionen, großzügig aus. Eine noch größere Aufweichung der Regelung wurde mit einer Entscheidung des Supreme Courts möglich, der obersten Gerichtsinstanz der USA, die eine Einmischung der Gerichte bezüglich der Genehmigungen der FED untersagte.
Die schleichende Auflösung des Glass-Seagall-Act fing in den 80er Jahren an. Im Dezember 1986 stellte die FED fest, dass bis zu 5% des Umsatzes einer Geschäftsbank aus dem Geschäftsbereich von Investmentbanken stammen dürfte. In den nächsten Jahren wurde die Grenze auf 10% angehoben, und 1996 auf 25%. Der Finanzminister der USA, Rubin sagte vor dem Bankausschuss des Kongresses 1995 aus, dass die Verteilung des Risikos auf viele unterschiedliche Geschäftsbereiche das Gesamtrisiko einer Bank reduzieren würde. Der Glass-Steagall-Act würde damit seiner Meinung nach paradoxerweise in der heutigen Zeit ein immenses Sicherheitsrisiko darstellen. 1999 würde er dann nach 12 Anläufen in den letzten 25 Jahren durch den Financial Modernization Act, auch bekannt als Gramm-Leach-Bliley-Act, faktisch zu Grabe getragen. In dem allgemeinen Medienecho kommt es einem so vor, als ob der Glass-Steagall-Act erst durch die Wirtschaftskrise 2008 abgedankt hätte, indem Investmentbanken den Status von Geschäftsbanken zuerkannt bekamen. Das Desaster u.a. der Citigroup zeigt aber, dass der Erosionsprozess der Regulierung von Banken schon viel früher erfolgt ist.
Quelle I:Sold Out – ein ausführliches Buch zur Deregulierung in den USA
Quelle II:kleine Chronik des Glass-Steagall-Act
Quelle III: Joseph Stiglitz zur Deregulierung
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