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Dez/08

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Was ist in Japan geschehen und wiederholt sich die Geschichte heute in den USA und Europa? Teil I

Die wirtschaftliche Situation Anfang der 90er Jahre in Japan, damals immerhin der zweitgrößten Wirtschaftsmacht auf der Welt, ist durchaus vergleichbar mit der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten. Seit dem Jahr 1953 bis Ende der 80er Jahre erlebte Japan eine starke Wachstumsphase. Bedingt war das Wachstum durch mehrere Gründe. Die japanische Banken waren mit den Unternehmen eng verbunden, hatten hohe Anteile an den Firmen, und sie waren in der Regel die einzigen Kreditgeber. Durch diese symbiotische Beziehung konnten langfristige Unternehmensstrategien verwirklicht werden. Die Währung Japans, der Yen, war in den sechziger und siebziger Jahre schwach und in Verbindung mit dem Schutz des japanischen Marktes durch die Regierung konnten sich die japanischen Unternehmen hohe Marktanteil im Ausland erkämpfen. Ein weiterer Faktor war sicherlich der Fleiß und die Disziplin der japanischen Bevölkerung. Ein Ausdruck der japanischen Kultur lässt sich durchaus in der dort entwickelten Managementmethode, TQM (Total Quality Management) finden. Die japanischen Unternehmen nahmen ungemein viel Rücksicht, im Vergleich zu den westlichen Konkurrenten, auf Wünsche der Kunden, bzw. Konsumenten. TQM ist ein Ausdruck der permanenten Verbesserung nicht allein der Produkte, sondern auch des eigenen Geistes und Körpers, tief verankert in der japanischen Mentalität. In den Achtzigern entstand eine regelrechte Panik wegen dem Erfolg japanischer Unternehmen in den amerikanischen und europäischen Vorstandsetagen.

Im Dezember 1989 erreichte der Nikkei, die japanische Aktienbörse, den Stand von 38 915 Punkten. Vier Jahre zuvor im Jahr 1985 einigten sich die Finanzminister der G7-Staaten darauf, den US-Dollar abzuwerten. Daraufhin senkte im nächsten Jahr die japanische Notenbank den Leitzins frei nach Keynes um den Export und die Binnenwirtschaft anzukurbeln. Im Jahr 1987 senkte die Notenbank den Leitzins nochmal auf 2,5 %. Durch die billigen Kredite und das Sparverhalten der Japaner auf einem sehr hohen Niveau wurden die Banken und Unternehmen mit Geld für Investitionen überschüttet. Das Schuldenniveau ist immens angestiegen; Anzahl der Kreditkarten um 200 %, Bankschulden um 724 Milliarden und Konsumentenkredite um 700%. Die japanische Börse und der Immobilienmarkt erlebten einen historischen Boom. Das Gelände, auf dem der Kaiserliche Palast steht, soll mehr Wert gewesen sein als ganz Kalifornien. Die Spekulationsblase wurde der japanischen Notenbank langsam unheimlich. Im Jahr 1989 erhöhte die Notenbank dann in zwei Schritten den Leitzins von 2,5 % auf 3,75 %. Und dann platzte auf einmal im Jahr 1990 die Spekulationsblase. Der Nikkei 225, enthält die 225 größten Unternehmen Japans, halbierte sich innerhalb von zwei Jahren. Im Jahr 1992 rutschte dann Japan in die Rezession, die Finanzkrise ist in der realen Wirtschaft angekommen. Die japanische Notenbank versuchte mit Zinssenkungen das Fortschreiten des wirtschaftlichen Desasters zu verhindern. Bis 1995 senkte sie den Leitzins auf 0,75 %. Dieser Zinssatz schwankt bis heute zwischen 0 % und 1 %. Im Jahr 1993 wurden 4,3 Billionen Yen von den Banken als faule Kredite abgeschrieben., ein Jahr später wurden nochmal Abschreibungen im Wert von 5,7 Billionen Yen vorgenommen. Die Banken sahen sich gezwungen ihre Kreditvergabe drastisch einzuschränken. Darunter litten die Unternehmen und private Haushalte. Bis heute wird der Bankensektor und viele Geldinstitute (Zombie-Banken) als auch Unternehmen von Japan künstlich am Leben gehalten. Es wurden, neben der Leitzinssenkung, mittels einer Steigerung der Staatsschulden massive Investitionen in die japanische Infrastruktur getätigt. Max Otte spricht von einer (bis vor zwei Monaten, eigene Anmerkung) beispiellosen Niedrigzins- und Defizitpolitik.

Die Rolle des japanischen Finanzministeriums und der Aufsichtsbehörde darf bei der ganzen Misere nicht unterschätzt werden. Als die Aktienkurse zu sinken begannen, ließen sie es zu, dass Banken in den Jahresabschlüssen die uneinbringlichen Kredite nicht abgeschrieben haben. Außerdem hatten sie damals und auch heute einen hohen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Banken und Unternehmen. So wurde der Kreditboom etwas länger am Leben erhalten. Ein anderer interessanter Aspekt ist die Zunahme von Finanzspekulationen der Unternehmen in den späten 80er Jahren. Anstatt Produkte herzustellen und zu verkaufen, widmeten sich die Industrieunternehmen immer mehr den Finanzmärkten (so werden Erinnerungen wach an GE oder Porsche). Im März des Jahres 1988 am Ende des Geschäftsjahres betrug der Anteil am Gewinn durch Spekulationsgeschäfte von Toyota 38 %, von Matsushita Electric 59 %, von Nissan 65 % und von Sony 63 %.

Quelle: „Der Crash kommt“ Max Otte
Quelle: „Der heimliche Raubzug“ Gregory J. Millman

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