Mein Wirtschaftsblog – sapere aude | Ein Blog zum Thema Wirtschaft und Finanzen

Jan/09

19

Was hat General Electric so ruiniert?

Am 16. Januar 2009 wurde die Nachricht veröffentlicht, dass General Electric zwischen 7000 und 11 000 Stellen bei ihrer Finanzsparte GE Capital streichen will. Somit könnten 2 Mrd. US-Dollar an Kosten 2009 eingespart werden. Dies führte zu einer kleinen naiven Kalkulation meinerseits. Die Kostenersparnis pro Angestellten würde sich bei 10 000 eingesparten Stellen auf 200 000 Dollar pro Arbeitsstelle belaufen. Natürlich müsste man Gemeinkosten berücksichtigen, wie Gebäudemiete, Energiekosten etc. Auch wenn man die Hälfte der Ersparnise im Umfang von 1 Milliarde Dollar auf Gemeinkosten umlegt (Finanzprofis brauchen jedoch lediglich einen Platz und einen Computer mit Internetanschluss), ergäbe sich ein Durchschnittslohn von 100 000 Dollar, also etwa 75 000 Euro im Jahr pro Angestellten.

Diese kleine Berechnung führte zu dem Anlass, sich umfassender mit dem 2001 ehemals größten Unternehmen der Welt (mit einer Marktkapitalisierung von 486,67 Mrd. Dollar noch vor Microsoft und Exxon Mobil) zu beschäftigen. Bekannt ist der Industriegigant für die Herstellung von Glühbirnen, Flugzeugtriebwerken etc. geworden. General Electric, gegründet 1878 von Thomas Alva Edison, war eine Ikone, ein Aushängeschild, der amerikanischen Wirtschaft. Der Industriekapitän von GE, Jack Welch wurde euphorisch zum besten Manager aller Zeiten, mindestens des Jahrhunderts, neben Alfred Sloan, dem Manager von General Motors, ausgezeichnet. Nach 41 Jahren Arbeit in dem Konzern hinterließ Jack Welch 2001 die wertvollste Firma der Welt. Die Ära Welch dauerte zwischen 1981 und 2001. In den ersten Jahren als Chef des Unternehmens gab er die Leitlinie vor, die Nummer 1 oder mindestens die Nummer 2 in allen Geschäftsbereichen zu werden, falls nicht, sollten diese Bereiche verkauft oder aufgelöst werden. So wurden 100 000 Arbeiter des Unternehmens entlassen, andere gut bezahlte Fabrikarbeitsplätze ins Ausland verlagert. Die Anzahl von Angestellten sank von 402 000 Ende 1980 auf 220 000 Mitte der 90er. Diese Anzahl stieg wieder auf 314 000 bis zum Jahr 2000, hauptsächlich aber durch Käufe von anderen Unternehmen. Jack Welch hat auch die Tochtergesellschaft GE Capital massiv ausgebaut und den Fernsehsender NBC aufgekauft. Die Aktie von GE ist, seitdem der Chefsessel von Welch übernommen wurde, bis 2000 jährlich um 21,3% gestiegen. Es lief zwar nicht alles hundert prozentig rund bei GE, paar Umweltprobleme z.B. hinsichtlich des Hudson Rivers, aber unbezweifelbar ein erfolgreiches Jahrzehnt für das Unternehmen. Nebenbei bemerkt, war die Verbesserung der internen Kommunikation im Unternehmen wahrscheinlich die beste Leistung von Welch (immerhin bekommt er auch dafür von GE, nach seinem Ausscheiden, eine Jahresrente von 9 Mio. Dollar, ein Penthouse in NY und eine Boing 737 zur freien Nutzung).

Aber die ersten dunklen Wolken tauchten damals Anfang 2000 schon am Horizont auf. Analysten haben die große Abhängigkeit des Konzerns GE von ihrer Tochtergesellschaft GE Capital mit Stirnrunzeln beobachtet. Bereits 2000 war die Finanzabteilung von GE für etwa die Hälfte des Unternehmenswachstums verantwortlich. Dieser Trend setzte sich nach Welch unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden Jeffrey Immelt fort. Bei einem Gewinn von 17 Mrd. Dollar des Gesamtunternehmens 2003, steuerte GE Capital 5,9 Mrd (35% des Gesamtgewinns) bei. Im Jahr 2007 waren es sogar 12,2 Mrd. Dollar (42%) bei einem Gesamtgewinn von 29 Mrd. Dollar. Wegen der sehr gute Bewertung von Ratingagenturen (diese bewerten Unternehmen oder Länder hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit) konnte GE Capital Geld billiger ausleihen und wieder in Form von Krediten vergeben als alle anderen Banken in den Vereinigten Staaten. 2004 stieg die Tochtergesellschaft von GE in den Markt der minderwertigen Immobilienkredite (sogenannte „subprime mortgage market“) ein. Die daraus entstandene Verschuldung von GE Capital in Höhe von 139 Mrd. Dollar wurde inzwischen vom amerikanischen Staat abgesichert. Um eine lange Geschichte kurz zu machen, das Unternehmen hat ihren Kernbereich, nämlich die Herstellung von Industrieprodukten vernachlässigt, und ist zu einer halben Bank verwandelt worden. Die daraus entstehenden positiven finanziellen Folgen wirkten sich bis 2007 aus. Nun seit dem Ausbruch der Finanzkrise wird das Unternehmen umso schlimmer mit den negativen Konsequenzen konfrontiert.

Quelle I: „GE and Jack Welch“ Sirisha, Dutta
Quelle II: GE Kollaps?

Verwandte Artikel:

  1. Irrationalität der Rationalität

Finanzkrise · GE · Welch

1 comment

Leave a Reply

<<

>>

Theme Design by devolux.nh2.me

Kategorien

To top