„Das wirtschaftliche Ziel eines jedes Individuums war und wird es immer sein, aus psychologischen Gründen, einen permanenten Ertrag, der unabhängig von seiner Anstrengung und immun gegenüber der Vergänglichkeit der Zeit und der Zufälligkeit der Umstände, zu sichern. Der Beweggrund lag in der dauerhaften Unterstützung seiner selbst im hohen Alter und der eigenen Familie. Er versucht es zu erreichen, indem er soviel Vermögen in den besten Jahren seiner Jugend und Erwachsenseins aufhäuft, sodass er und seine Nachkommen und ihre Nachkommen von den Zinsen dauerhaft leben können. Die Geschichte der Wirtschaft und der Soziologie beschreibt diesen Konflikt des menschlichen Strebens mit den Gesetzen der Physik, die dieses „perpetuum mobile“ in das Reich der Utopie verweisen. So kann dieses Problem nur auf eine Methode reduziert werden, bei der ein Individuum ein anderes Individuum oder eine Gemeinschaft in ein Schuldenverhältnis hineinzieht, mit einer konstanten Verhinderung der Tilgung. Das verschuldete Individuum oder die verschuldete Gemeinschaft muss somit ständig den Ertrag ihrer Bemühung mit dem Gläubiger teilen.“ von Frederick Soddy „Wealth, Virtual Wealth and Debt“ 1926
Einen interessanten Ansatz in die Problematik von Zinsen und Zinseszinsen stellt der Text von Otmar Issing zur Verteidigung des ökonomischen Nutzens eines Zinses und der darauf folgenden Erwiderung von Werner Onken. Nach Issing ist der Zins der Preis für den Konsumverzicht eines Gläubiger, der einem Schuldner die Möglichkeit gibt, mit diesem Geld zu arbeiten und es in Produktionsgüter, zu investieren um Gewinne zu erzielen. Der Zins ist eine temporale Brücke zwischen der Gegenwart und der Zukunft. Man spricht vom Zins auch als eine Risikoprämie, die der Gläubiger wegen der Ungewissheit der Rückzahlung erhält. Der Zins ist also eine Konsumverzichts- und Risikoprämie. In dem Fall, indem der Zins abgeschafft wird, wäre ein niedrigeres Investitionsvolumen, d.h. die Investitionen müssten selbst erwirtschaftet werden, und ein niedrigeres Produktivitätsniveau, und damit sinkendes Wirtschaftswachstum die Folge. Dies würde bei gleich bleibenden allen anderen Umständen (ceteris paribus)zu einem sinkenden Wohlstandsniveau für alle führen. Nach Onken enthält der Zins jedoch neben den genannten Faktoren noch eine Liquiditätsverzichtsprämie. Diese Liquiditätsverzichtsprämie führt zu einer übermäßigen Zinshöhe und führt zu einer nationalen und globalen Umverteilung der Vermögen von den Arbeitenden zu den Besitzenden, von den Armen zu den Reichen. Bedingt ist sie durch die strukturelle Macht des Geldes, womit wahrscheinlich der Einfluss von Geld auf politische und gesellschaftliche Entscheidungen gemeint ist. Somit kommt es zu qualitativen und quantitativen Verzerrungen in der Lenkung des Investitionskapitals, zur Fehlallokation des Geldvermögens. Das Geldvermögen wächst exponentiell und führt zu einer sich an Tempo verschärfenden Innovations- und Effizienzspirale. Wieso erinnert mich dies wieder an die berühmte Rendite von 25%? Onken ist somit nicht für eine Abschaffung, sondern für eine Zähmung des Zinses.
Quelle 1:Issing
Quelle 2:Onken
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