Aussichten für das Jahr 2010, Teil I Barton Biggs
Am Anfang eines Jahres stellt sich oft die Frage, wie das Jahr werden wird. Letztens ist ein netter Artikel mit den Prognosen von 12 sogenannten Dr. Dooms erschienen, der die Zukunftsaussichten der prominentesten Untergangspropheten oder möglicherweise zutreffender geschrieben der Pessimisten zusammenfasst. Allen Vorhersagenden ist gemein, dass sie der ökonomischen Zunft, außer Jared Diamond, entstammen. Das Ziel des Artikels ist es, ein paar Wenige der Dr. Dooms und ihren Argumenten vorzustellen, die im Gegensatz zu z.B. Soros oder Stiglitz immer noch jedenfalls in der deutschen Öffentlichkeit relativ unbekannt sind. Es lohnt sich immer die Meinungen der „Insider“ aus der Finanzwelt zu berücksichtigen, unabhängig von der Treffsicherheit ihrer Aussagen. Man sollte sie ernst, aber nicht zu ernst nehmen. Am meisten fällt wahrscheinlich Taleb aus der Reihe, der aus guten und von ihm selbst geschriebenen Gründen eigentlich keine Vorhersage macht.
Fangen wir heute mit Barton Biggs, einen langjährigen Ex-Manager bei der Investmentbank Morgan Stanley, der dort die Forschungsabteilung mit aufgebaut hat, an. Seine berühmte treffende Prognose betraf z.B. dem Börsensturz beim Platzen der Dotcomblase Anfang des 21. Jahrhunderts im Gegensatz zu seiner schlechten optimistischen Prognose für Mexiko, kurz bevor der Peso abgestürzt ist. Sein Ratschlag für die nächsten Jahre ist wahrscheinlich der extremste der ganzen Truppe.
In seinem Buch „Wealth, War and Wisdom“ scheint er einen Zusammenhang zwischen dem Börsengeschehen und den kritischen historischen Zeitpunkten, den sogenannten „turning points“ für die Sieger- und Verlierermächte im zweiten Weltkrieg gefunden zu haben. Die Börsen in den jeweiligen Ländern sollen seiner Meinung nach, diese Zeitpunkte vor der Öffentlichkeit erkannt und in Form von steigenden oder fallenden Aktienkursen widergespiegelt haben. Letztlich stellt das Buch eine Art Lobgesang für die Weisheit der Massen, in Form des Marktes, der immer Recht hat, dar, ganz im Gegensatz zu der vernichtenden Kritik der Intelligenz der Massen von beispielsweise Le Bon. Über die Weisheit oder Intelligenz der Massen lässt sich durchaus diskutieren, auch die Frage, wieweit der Markt, insbesondere die Börse ein Spiegelbild der Massen sein könnte. So fängt das Buch relativ harmlos an.
Die Vermögensvernichtung im zweiten Weltkrieg ist dann aber der Ausgangspunkt für den zweiten Teil des Buches, nämlich eine Art Handlungsfaden für die Rettung von Vermögen in extremen Krisenzeiten. Seine Ratschläge sind bei zukünftigen Krisen, um es kurz zusammenzufassen, sich Land zu kaufen um eine Art Subsistenzwirtschaft aufzubauen, und den Rest des eigenes Vermögens ins sichere Ausland zu transferieren, bzw. Gold oder Juwelen zu kaufen und es zu vergraben. In jedem Jahrhundert findet seiner Meinung nach mindestens eine gigantische Vermögensvernichtung statt, und so sollte man sich also darauf vorbereiten. Biggs entwickelt somit implizit ein Weltuntergangszenario in näherer Zukunft vergleichbar mit dem zweiten Weltkrieg. Das eigentliche Rätsel bleibt es, wie ein rationaler Mensch zu solch einem Ergebnis kommt. Die Tatsache ist, dass die am meisten rational geltenden Berufsgruppen, wie Physiker, Mathematiker und auch einige Ökonomen, die zum Teil am meisten irrationalen Ansichten vertreten. Jedenfalls weiß man nun, was Biggs mit seinem großem Vermögen anstellen wird.
Tags: Finanzkrise, Zukunft




